Eigentlich müßte ich glücklich mit meiner Situation sein: Mein Smartphone ist exakt zwei Tage vor Urlaubsbeginn zur Reparatur gegangen – der Vibrationsmotor hat sich nach gerade einmal drei Monaten verabschiedet. Also, Abschied nehmen vom hektischen Berufsalltag, nur eingeschränkt erreichbar sein und alle journalistischen Kontakte nicht auf dem Ersatzhandy gespeichert.

So weit das Wunschdenken, die Realität sieht wieder einmal anders aus. Ich bin total isoliert von der Außenwelt! Zwar hat unser Ferienhaus hier in Dänemark kostenloses Wlan, aber das nützt mir nur bedingt was. Ich kann Mails checken, bei Facebook rumdaddeln und über Twitter Wasserstandsmeldungen abgeben. Doch dafür muß ständig der Laptop hochgefahren werden zwischen Frühstück, Baden, Spielen, Ausflügen, Abendessen, geselligem Abend. Das ist so zeitraubend! Wieso kann ich nicht einfach mein Galaxy schnappen und von der Couch twittern? Mehr brauche ich gar nicht für mein Glück!

Einen Vorteil hat es allerdings: Ich muß mir keine Sorgen machen, mit einer 500 000-Euro-Roaming-Rechnung nach Hause zu kommen, weil ich vergessen habe, die Datenverbindung abzuschalten. Dafür ist das alte, grobmotorische K700i genau richtig. Und noch etwas habe ich herausgefunden: Im Laufe der Jahre hat die Akku-Industrie einen Schritt zurück gemacht. Das SonyEricsson läuft seit Donnerstag, die Batterie ist nicht mal halb leer. Mein Samsung macht’s im Schongang gerade mal 30 Stunden.

Ich will’s trotzdem wiederhaben! JETZT! :‘-(

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Geschafft: Nach fünf gefühlt endlosen Stunden auf deutschen und dänischen Straßen sind wir gegen 15 Uhr endlich in Husby an der Nordseeküste angekommen. Vor uns sechs Urlaubsreifen stand ein schönes, reetgedecktes Haus mit riesigem Wohnzimmer, quirrligem Whirlpool und wohltemperiertem Schwimmbecken. Der Urlaub kann also beginnen.

Doch für mich ist es auch wie eine kleine Rückkehr in die Heimat. Dänemark, immerhin drei Jahre lang mein Zuhause, wird auf ewig mein Mutterland im Herzen sein. Dieses Gefühl hat mich gleich nach der „Grenzüberschreitung“ gepackt. Da war es wieder, dieses „Ich bin endlich daheim“. Es läßt sich schwer beschreiben, es ist eine Lebenseinstellung. Zwar gebe ich zu, die hektische Art von Berlin zu lieben und zu vermissen. Aber Jylland ist und bleibt mein liebstes Zuhause.

Das fängt bei ganz einfachen Dingen an: Die Dänen haben die Ruhe weg. Was macht es schon, ob ich eine Minute früher oder zwei Minuten später daheim ankomme? Die hübschen Häuser – Dänen haben irgendwie einen Sinn für schöne Bauten. Oder erst die entspannten Leute, die einem auf der Straße begegnen. Und, nicht zu vergessen, die köstlichen Lebensmittel, die es leider nie in das geschmacklich abgestumpfte Deutschland schaffen werden: wie zum Beispiel Reje Ost und Galle & Jessen Pålægschokolade. Außerdem liebe ich die Sprache: Goddag, Farvel, Rundstykker, Vi spiser nu, Du snakker tysk. Herrlich! Eigentlich weiß ich schon jetzt: Ich will hier nie wieder weg, wie schon damals 1992.

Morgen soll’s an die Nordsee gehen, zum Wandern. Meine Kamera wird mit dabei sein, um Euch schöne Fotos zu liefern. Ihr dürft gespannt sein!

Farvel!

Das hat zum Abschluß natürlich noch einmal sein müssen: Am letzten Tag vor meinem zweiwöchigen Urlaub habe ich mal eben noch eine Zwölf-Stunden-Schicht eingeschoben. Aber so ist das Leben, wenn man noch fünf Texte zu schreiben und zwei Termine zu absolvieren hat.

Beschweren will ich mich freilig nicht. Dafür werde ich ab morgen mehr als ausreichend entschädigt. Für eine Woche verschlägt es mich in das vermutlich schönste Land der Welt: Dänemark. Dieses Mal geht es nicht in die Hauptstadt wie voriges Jahr, sondern an die Nordseeküste etwas oberhalb von Ringkøbing.

Vielleicht schaffe ich es, aus dem Urlaub zu bloggen. Die Kamera ist jedenfalls eingepackt, sodaß ich schmucke Fotos posten könnte.

Bis dahin: Jeg siger farvel!

Die Zeit an der Akademie für Publizistik ist vorbei, wir alle blicken auf vier spannende Wochen voller neuer Eindrücke zurück. Als ultimatives Finale haben wir uns in fünf Gruppen dem Thema „Was feiern die denn da?“ in einem multimedialen Projekt gewidmet. Mein Team hat sich dem Stadtderby FC St. Pauli gegen den HSV angenommen. Es war das erste Aufeinandertreffen am Millerntor in einem Punktspiel seit 1962. Die Zeit vor dem Anpfiff haben wir in einer crossmedialen Reportage verbraten, die wir mit dem wunderbaren Tool Vuvox erstellt haben. Da es dem gesamten Kurs so erging, kann ich Euch versprechen: Beim Anschauen werdet Ihr die Faszination des Derbys ganz genau erleben und mit Sicherheit an manchen Stellen Gänsehaut bekommen. Klickt hier und es geht los! Über Feedback freue ich mich natürlich auch!

Glückliche Menschen leben länger. Diejenigen, die immer nur an Schlechtes denken, haben keinen Spaß. Ständig hocken sie miesepetrig in der Ecke und kritteln an der Welt rum. So möchte ich nicht enden. Ich gehe sogar so weit, dass ich Selbstbetrug für ein legitimes Mittel halte, um froh sein zu können.

Deshalb kommt mir auch der neue Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen genau richtig. Sie möchte das schreckliche Wort „Hartz IV“ durch „Basisgeld“ ersetzen. Finde ich super. Im Kopf spuken in Zukunft keine hungernden Kinder in zerlumpten Klamotten mehr rum.

So geht es mir mit vielen Dingen im Alltag: „Herausforderung“ hört sich viel fröhlicher an als „Schwierigkeit“, so voller Elan. Und erst „Mobile ethnische Minderheit“. Das lässt mich von Urlaub, Sonne und Strand träumen, nicht von Zigeunern. Negerküsse schmecken ebenfalls viel besser, seit sie Schaumküsse heißen. Neuerdings werden bundesweit Gebäude zurückgebaut. Abriss klingt zu martialisch. Wenn mich dann noch der Facility Manager im Supermarkt persönlich begrüßt, fühle ich mich gut. Der Logistik-Experte verdient auch meinen Respekt. Filialleiter und Postboten fand ich früher hingegen immer unsympathisch.

Jetzt müssen wir uns zum Abschluss einen schöneren Namen für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ausdenken. „Bundesministerium für Gedöns“ ist nett, gleich viel sympathischer. Hätten wir das Vorhaben also auch realisiert.

iPod, iPhone, iMac, iPad, iBook – Apple ist omnipräsent. So auch an der Akademie für Publizistik (AfP). Im Vortragssaal stehen bestimmt zehn dieser schrecklichen iMacs, im Keller mindestens noch einmal die gleiche Zahl. Der Volo-Kurs verzweifelt regelmäßig an den aus Prinzip anderen Befehlen gegenüber Windows-Rechnern. Lustigerweise gibt es in unserer 20er-Gruppe niemanden, der im Büro oder privat einen von diesen Apfel-Kübeln benutzt.

Deshalb macht sich unter uns schon eine seltene Krankheit breit: die Macingitis. Zusammen mit meiner Kursteilnehmerin Sonja habe ich gestern einen Nachrichtenbeitrag über die Zustände an der AfP gedreht:

Das ist er also gewesen, der erste Tag an der Akademie für Publizistik. Ich muß sagen, ich bin angenehm überrascht. Die Mitjungs und -mädels sind nett, der gesamte Trupp äußerst lustig. Auch der Kursleiter ist gut drauf und versucht alles, sturen Frontalunterricht zu verhindern – mit Erfolg.

Nach der anfänglichen Kennenlernphase ging es mit einer kurzen Führung durchs Haus weiter, nachmittags stand dann schon das erste richtige Thema auf der Agenda: Weblogging. Für mich natürlich nichts Neues, insofern konnte ich mich entspannt zurücklehnen und noch die eine oder andere Feinheit lernen – zum Beispiel, wie man individuelle Google-Maps-Ausschnitte erstellt. Erstaunt war ich nur darüber, daß in dem gesamten Haufen von 21 jungen, angehenden Journalisten nur zwei aktiv selbst bloggen (mich natürlich mit eingerechnet). Da hätte ich doch mehr Neugier seitens des Nachwuchses erwartet. Aber vielleicht wurde die ja nach dem heutigen Nachmittag geweckt.

Jedenfalls freue ich mich schon auf morgen, dann geht es um die kurzen, verkannten Texte: Überschriften, Vorspänne und Bildunterschriften. Wird bestimmt lustig. Und zur Belohnung gehen danach sogar noch alle zusammen beim Türken essen.

Ich halte Euch auf dem Laufenden!

Rechts stehen, links gehenBuckingham Palace, Westminster Abbey, Big Ben, Tower Bridge und Piccadilly Circus – es gibt sicher unzählige Dinge, die man als Tourist in London gesehen haben muß. Man gilt erst dann als versierter Gast, wenn man blind in die Portobello Road findet oder die 311 Stufen bis zur Aussichtsplattform des Monuments erklommen hat. Ganz zu schweigen vom obligatorischen „Mind the Gap“-Kaffeebecher oder einem Besuch bei Madame Tussaud’s.

Alles schön und gut, aber es bedarf so viel mehr, um ein echter Londoner zu sein. Das wurde mir erst wieder bewußt, als ich diese Woche erneut für drei Tage in der weltbesten Stadt der Welt wohnen konnte. Fehlerfrei und problemlos bewegt man sich in der Sieben-Millionen-Metropole erst, wenn man beispielsweise automatisch rechts auf der Rolltreppe der U-Bahn steht: „Stand right, go left“ steht überall. Keine Staus, kein Geschubse, kein Gemaule. Und alle halten sich dran.

Andere Touristenfalle: die Treppenbenutzung. Natürlich nimmt der echte Londoner nicht die rechte Hälfte der Stufen, sondern die linke – ganz wie im Straßenverkehr. Apropos Straßenverkehr, Fußgängerampeln sind auch nur für die grobe Hilfe da. Vielmehr vertraut der Großstädter auf seinen gesunden Menschenverstand und geht dann, wenn der Weg frei ist – egal, ob Rot oder Grün. So mache ich das als Berliner zwar auch immer noch in Lübeck, dafür ernte ich aber regelmäßig böse Blicke (vorrangig von den älteren Generationen).

Der Regenschirm ist ebenfalls so eine Sache des waschechten Londoners. Daß man den immer dabei haben sollte, wissen auch Touristen, der korrekte Umgang damit ist aber wieder etwas anderes. Auf rappelvollen Straßen wie der Regent oder Oxford Street beweist der echte Hauptstädter, daß er gekonnt durch Kippen, Neigen und Hochheben den anderen Schirmen ausweichen kann, ohne selbst dadurch einen Regentropfen mehr zu kassieren. Das ist London!

Lübeck, oder in dem Fall vermutlich ganz Deutschland, glänzt im Gegensatz dazu durch beschämendes stures Umsetzen von Regeln. Nach der Landung auf dem Flughafen in Blankensee war eine Airport-Mitarbeiterin nicht damit zufrieden, daß sich die Massen gesittet und selbständig in eine Warteschlange vor der Paßkontrolle einreihten. Gemäß deutscher Gründlichkeit mußten sich alle Fluggäste nachträglich in die vorher genauestens ausgerichteten Warteschlangen-Gassen (wie vor Achterbahnen im Freizeitpark) einordnen. Man sollte die Flughafenfrau das mal vor den Kontrollautomaten an der Londoner Underground-Station Charing Cross probieren lassen.

Ich will wieder zurück!

Irgendeine neue Statistik besagt, daß die Zahl der Temposünder im vergangenen massiv zugenommen hat. Passenderweise zeigt RTL in seinem „Nachtjournal“ Polizeivideos von leeren Autobahnen. Mal fährt einer 140 statt der erlaubten 100 Stundenkilometer, mal schießt sogar einer mit 170km/h über die Piste. Die Verkehrsexperten haben schon einen Sündigen ausgemacht: die Autohersteller, die so schnelle Wagen züchten.

Klar, zu schnell fahren kann gefählich sein. Ein generelles „Buh“ auf alles, was schneller als mit 130 Stundenkilometer unterwegs ist, halte ich aber für bescheuert. 170 in der 100er-Zone fahre ich auch nicht, das heißt aber umgekehrt nicht, daß ich nicht 250 fahren will, wo ich es darf und kann.

Viel schlimmer finde ich dagegen, daß seit Jahren augenscheinlich immer mehr Menschen nicht einmal mehr die einfachsten Verkehrsregeln beherrschen: bei Rot stehen, bei Grün gehen beziehungsweise fahren. So oft ist mir ein Auto auf der Kreuzung über den Weg geschossen, das meinte, Kirschgrün zählt nicht. Hupen verursacht beim Verkehrssünder eher nur Wut und Pöbelei. Wer ist hier eigentlich im Recht? Oder Abbiegen ohne zu blinken, auch eine herrliche Nummer. Plötzlich in die Eisen gehen, unvermittelt abbiegen. Wenn der Vordermann großzügig ist, verrät er mir während des Lenkens, wo er hin will. Olé, olé, danke Mann!

Wo sind da eigentlich die Beamten, die sich sonst auf Autobahnen mit Videowagen rumdrücken oder die Zeit lieber damit vertreiben, mit dem Streifenwagen durch die Fußgängerzone zu fahren? Laufen ist schließlich uncool, mit Sonnenbrille am Steuer des silber-blauen „Passat“ natürlich viel fescher.

Mich jedenfalls stört ein Autofahrer auf einer leeren, vierspurigen Straße mit 70 Stundenkilometern weniger, als ein Depp, der mich bei für ihn Rot von der Kreuzung putzt. Mir täten auf Anhieb drei Verkehrspunkte einfallen, wo eine Kontrolle Sinn ergeben würde. Aber mich fragt ja keiner. Außerdem müßten die Polizisten dann selbst raus aus dem Auto, beim Blitzen kann man schließlich sitzen bleiben und die Fotos schießt ein Automat.

Klar, Reden ist wichtig. Viele behaupten sogar, daß die Sprache uns einen wesentlichen evolutionären Vorsprung gegenüber der restlichen Tierwelt verschafft hat. Oft werden verbal wichtige Dinge weitergegeben („Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß Ihre Ausreise genehmigt wurde.“) oder um keine Spuren zu hinterlassen („Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“).

Von Zeit zu Zeit bietet es sich aber an, einfach zu schweigen – zum Beispiel dann, wenn nichts zu berichten ist. Wenn es nichts zu sagen gibt, einfach mal die Fresse halten. Oft wäre es aber auch schon hilfreich, wenn vor dem Sprechen das große Organ unmittelbar unter der Schädeldecke eingeschaltet wird. Würden das aber alle tun, gäbe es keine lustigen Momente und keine seltsamen Zitate. Gestern sind mir wieder zwei in die Ohren geflattert, die ich Euch nicht vorenthalten will:

„‚Mr. Adelaide‘, das klingt wie direkt aus Sydney.“
Ansager beim Duckstein Festival über ein Bandmitglied

„Ich drücke alle meine zehn Daumen.“
NDR2-Moderator im Nachtprogramm

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