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Muß passieren: Trennung von Apple und Religion.

Muß passieren: Trennung von Apple und Religion.

Bis zum 17. Jahrhundert hat die Menschheit daran geglaubt, Gott sei für alles verantwortlich. Die Nationen hatten Staatsreligionen, alle anderen Glaubensrichtungen waren nichtig. Im Abendland hatte vorrangig das Christentum das Sagen. Doch dann kam die Aufklärung, jene wichtige Zeit, in der wir uns der Wissenschaft zuwanden, toleranter und ungläubiger wurden. Die Säkularisierung setzte in Europa ein – die Französische Revolution wollte sogar die gänzliche Abschaffung von Religion. Seitdem kämpfen wir de facto nicht mehr im Zeichen Gottes, machen ihn nicht mehr für alles verantwortlich und diskriminieren nicht mehr andere wegen ihres Glaubens. In der Realität sieht es mit Selbstmordattentätern, Wunderheilungen und Antisemitismus natürlich leider immer noch anders aus.

Mittlerweile sind wir wieder an einem Punkt der Geschichte angelangt, an dem der Welt eine weitere Aufklärung gut tun würde. Dieses Mal gilt es, Millionen Menschen vom übermächtig scheinenden Gott Steve Jobs loszueisen. Zu Zeiten der esten Macs galten Apple-Jünger noch als kreative Individualisten. Doch seit iPod, spätestens aber seit iPhone hat alles eine neue Dimension erreicht. Mac-Freaks kriegen fast Kammerflimmern, wenn Keynotes anstehen. Andere wiederum sind besessen, unausgegorene Beta-Versionen irgendeines Betriebssystems wie iOS 5 zu haben. Und wenn es dann nicht läuft, sind diese Jünger wie verblendet.  Über Fehler müsse man schließlich hinwegsehen können. Komisch aber, daß genau dieses Argument von Windows-Usern immer als Ausrede abgetan wird. Und weil EIN Steve Jobs die Firma Adobe nicht leiden kann, müssen MILLIONEN Kunden auf den Flash-Player verzichten. Empörung? Fehlanzeige! Abwandern zu Wettbewerbern? Von wegen!

Kein Wunder ist somit das Recherche-Ergebnis eines BBC-Reporters nach der exzessiven Eröffnungsparty eines Apple-Tempels Apple-Stores in Covent Garden: Alex Brooks, Herausgeber von „World of Apple“ wurde im Magnetresonanztomographen untersucht, während er Bilder von Produkten gezeigt bekam. Bei Apple-Geräten reagierten Bereiche in seinem Gehirn, die auch bei Gläubigen aktiv werden – wenn sie religiöse Symbole gezeigt bekommen.

Apples Marktanteile schwinden.

Apples Marktanteile schwinden.

Jetzt hat Apple wieder eine Steilvorlage geliefert, das Unternehmen eigentlich sofort pleite gehen lassen zu müssen: das Verkaufsverbot von Galaxy-10.1-Tabs von Samsung innerhalb der EU. Einen Tag später will Apple sogar das Motorola Xoom aus den Regalen verbannen. Der Grund: Alles erinnere zu sehr ans iPad.  Überhaupt nicht gefallen dürften dem Obstladen außerdem die schwindenden Marktanteile von iOS – also von iPhones im Smartphone-Sektor. Im zweiten Quartal rangierte iOS mit knapp 20 Millionen verkauften Smartphones auf Rang drei. Unangefochten an der Spitze steht das Google-Betriebssystem Android (46,8 Millionen verkaufte Geräte).

Jobs sieht offenbar seine Felle davonschwimmen – hat der Konzern neben iPhone und iPad schließlich kein großartiges Massenprodukt am Markt. Wenn die Konkurrenz mit objektiv betrachtet besseren Produkten (günstiger, leistungsstärker, Flash-Unterstützung, vergleichbare Anzahl an Apps) gegen Apple antritt, müssen sie eben weggeklagt werden. Bezeichnend ist, daß sich die Klagen lediglich gegen die beiden größten Konkurrenten richten: Samsung und Motorola. Das Acer Iconia Tab ist für Apple offenbar nicht bedrohlich – keine einstweilige Verfügung. Das Blackberry Playbook wird auch nicht vom Markt weggeklagt.

Das Vorgehen ist aus Sicht des Platzhirsches absolut verständlich. Viel mehr Sorge bereitet mir, daß Apple Erfolge erzielt. Gilt das Prinzip der freien Marktwirtschaft nicht mehr? Übertragen wir den Fall doch einmal auf andere Branchen:

  1. Automobilindustrie: Mercedes verbietet mit sofortiger Wirkung alle anderen Fahrzeugmarken. Immerhin sind das auch alles Blechkörper mit vier Reifen dran. Viel zu ähnlich!
  2. Kleidungsindustrie: Wrangler verbietet mit sofortiger Wirkung alle anderen Hosen. Die anderen Hersteller bedecken damit auch die Beine. Viel zu ähnlich!
  3. Nahrungsindustrie: Die Brotfirma Harry verbietet ab sofort alle anderen Toastbrot-Hersteller. Auch deren Sandwich-Laiber sind kastenförmig, in Scheiben geschnitten und müssen geröstet werden. Viel zu ähnlich!

Und die Apple-Community? Schweigt oder unterstützt die Kalifornier in ihrem Vorgehen. Der Glaube ist stark in ihnen. Ein Freund von mir formulierte es in einem Gespräch passend: Es wäre kein Wunder, wenn Steve Jobs bald mit dem Papst die Plätze tauscht und eine neue Weltreligion ausruft. „Ich habe mehr Anhänger als Du.“ Sicherheitshalber sollte Apple wohl langsam als Sekte eingestuft werden. Der Verfassungsschutz könnte sich das Ganze auch einmal genauer ansehen. Scientology läßt grüßen.

Damit sind wir wieder beim Thema Religion. Ich warte bereits auf den Tag, an dem ein zweiter Martin Luther erscheinen wird. Der öffnet dann ein Kommentarfeld im iTunes-Store und schreibt dort seine 95 Thesen rein. Es hat schon einmal geklappt: am 31. Oktober 1517 an der Schloßkirche von Wittenberg. Damit löste er die Reformation aus – ein wichtiger Schritt zur Aufklärung.

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