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Jetzt reicht es: Die aktuellen Spritpreise jenseits der 1,60 Euro für einen Liter Superbenzin haben mich dazu bewegt, schneller als erwartet ein neues Fahrrad zu kaufen. Also habe ich den verkaufsoffenen Sonntag genutzt, um mir bei Zweirad Wöltjen einen Drahtesel zuzulegen. Die Idee geisterte mir seit knapp einem Dreivierteljahr im Kopf herum, aber immer fehlte mir der letzte Impuls. Die erste Tour hat das Rad bereits hinter sich – einmal um die Kanaltrave, danach nach Hause auf Marli. Tolles Gefühl, mal wieder etwas für die Fitness zu tun – angenehmer Nebeneffekt bei der Sache. Um als Musterradler durchzugehen, habe ich sogar meinen alten Fahrradhelm entstaubt. Der lag vorher mehrere Jahre im Schrank und hat zwei Umzüge ungenutzt unbeschadet überstanden.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das schmucke Trekkingrad mit seinen 24 Gängen ersetzt mein uraltes Mountainbike, das gerade in letzter Zeit nicht gerade mit Zuverlässigkeit geglänzt hat: Kette samt Gangschaltung sind vollkommen verrostet und hakeln, der Lenker wackelt, Rostflecken an diversen Stellen, irgendwo im Rahmen hat die Beleuchtung sogar einen Kabelbruch. Ihr dürft jetzt lachen: Jedes Mal, wenn ich mit eingeschaltetem Dynamo gefahren bin, habe ich beim Bremsen einen gewischt bekommen – offenbar war dann der Stromkreislauf wieder geschlossen. Zuletzt hat dann auch noch mein Heckreifen den Geist aufgegeben und hängt jetzt nur noch als schlaffes Gummi an der Felge. Ich glaube, einzig brauchbar an dem Teil sind nur noch Vorderrad und Scheibenbremsen.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Künftig werde ich nun also mit dem voll funktionsfähigen Trekkingrad Lübeck unsicher machen – privat sowie an Diensttagen, an denen ich Produktion (Innendienst) habe. Für den Rest (Einkäufe und schreibenden Dienst) habe ich mein treues Auto und – ab kommendem Wochenende endlich wieder – mein über alles geliebtes Motorrad. Gleichzeitig wird es sicherlich noch einige Märsche zu Fuß durch die Hansestadt geben. Zusammen macht das also eine peersche Mobilität von acht Reifen und zwei Füßen. Vier Fortbewegungsarten, vier Möglichkeiten für neue Erfahrungen.

Vielleicht verstehe ich dann bald alle Verkehrsteilnehmer besser:

  • Warum warten 90 Prozent der lübschen Autos immer auf dem rechten Fahrstreifen der zweispurigen Kreisverkehre?
  • Warum ignorieren viele Radler konsequent die Rechts-vor-links-Regeln und beschweren sich, wenn sich Autofahrer beschweren?
  • Warum fahren manche Biker mit röhrendem Motor durch die Innenstadt?
  • Warum laufen Fußgänger ständig an den falschen Stellen durch die Stadt?

Und falls ich keine großen Erkenntnisse auf diese noch viel größeren Fragen erlange, kann ich immer noch aus einer der vier Peerspektiven auf die anderen drei Fortbewegungsmöglichkeiten schimpfen. Ich finde, das ist ein guter Plan.

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Noch zwei Tage! Sonntag mache ich mich mit meinem Vater auf nach Dänemark. Doch es ist nicht irgendein Urlaub. Es ist ein kleiner Traum, den ich mir erfülle. Wir umrunden Jütland in sieben Tagen mit dem Motorrad. Knapp 950 Kilometer liegen vor uns, Kurven, Geraden, Brücken, Meer. An der Nordsee geht es rauf bis Skagen, von dort aus führt uns die Tour an der Ostsee über Mariager und Fredericia wieder zurück.

Der Weg dorthin war allerdings ein schwieriger. Erst waren wir zu dritt, dann zu viert. Dann sprang der erste von der Reise ab, schließlich auch ein zweiter. Auch zwei sehr gute Freunde, die spontan mit dem Auto mitfahren wollten, sagten in letzter Minute ab. So sank mein Interesse, die Sache überhaupt noch durchzuziehen. Doch am Ende habe ich mir nicht sagen lassen wollen, klein bei gegeben zu haben.

Jetzt steht der Ausflug, das Wetter soll auch mitspielen. Und selbst wenn: Was naß wird, kann auch wieder trocknen. Wir sind schließlich nicht aus Zucker! Wenn ich es schaffe (Internet und so), werde ich Euch auf dem Laufenden halten, mit Bildern nerven und sonstigem. Gepäck an den Bock, auftanken und raus aus Deutschland!

Ach so, wen es interessiert: Das ist die exakte Strecke:

Selten hat mich ein Wochenende so im Griff wie das jetzige. Obwohl gerade erst die Halbzeit überschritten ist, ist es eins der Einprägsamsten in diesem Jahr. So viele Dinge sind geschehen, so viele Dinge sind mir passiert, si viele Dinge haben mich beschäftigt:

Das Motorrad: Widerstrebend habe ich meine BMW wieder in ihr Winterquartier gebracht. Die letzte Tour war erfüllt von Windböen, Nieselregen, Laub und Kälte –  nichts, was man sich vorranging für die Fahrt mit dem Mopped wünscht. Schweren Herzens habe ich Freitag den Schlüssel dem vertrauensvollen Schrauber übergeben. Er wird sich gut um mein Motorrad kümmern, im März spätestens hat es mich wieder. Auch wenn ich heute Morgen sofort bereut habe, mein Zweirad jetzt schon abgegeben zu haben. Eine Woche wäre doch bestimmt noch gegangen! Aber dann sprach die Vernunft zu mir: Lieber jetzt, als sich bei Schnee, Eis und Matsch auf die Fresse zu packen.
Meine Erkenntnis: Manchmal sollte ich doch lieber auf meinen Verstand hören und der nächste Frühling kommt bestimmt – auf irgendwas muß ich mich schließlich freuen.

Das Handy: Freitag kam mein Galaxy endlich aus der Reparatur zurück – zwei Wochen mußte ich darauf verzichten. In der Zwischenzeit war ich für sieben Tage in Dänemark und habe mich mit meinem uralten SonyEricsson K700i („Baujahr“ 2004) rumgeschlagen. Außerdem hatte ich danach noch eine Woche Urlaub. Bis zu diesem Moment war ich der felsenfesten Überzeugung, auf mein Smartphone jederzeit verzichten zu können. Doch kaum rief mein freundlicher Handy-Tüftler an, habe ich mich binnen 30 Minuten auf den Weg gemacht, um mein Samsung abzuholen. Es kribbelte doch wieder in den Fingern. Kaum war der Akku zurück in der Maschine, ging das Daddeln wieder los – Twittern hier, Facebooken da, Foursquaren dort. Die Endorphine sprudelten nur so durch mich durch.
Meine Erkenntnis: Ich bin süchtig nach dem mobilen Internet! Aber es fühlt sich gut an!

Die Dänemark-Woche: Vom 30. Oktober bis 6. November war ich in Vester Husby an der dänischen Nordseeküste, etwas nördlich des Ringkøbing Fjords. Nach Jahren der Jylland-Abstinenz (vergangenen Mai habe ich es immerhin nach Kopenhagen geschafft), war ich endlich wieder auf dem dänischen Festland. Ich kann mir gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal dort gewesen bin. Und es fühlte sich wieder genau so an wie es einst war und immer noch ist: wie Heimat. Ich konnte wieder in die dänische Sprache eintauchen, das Land und die Leute genießen. Es ist eine ganz andere Welt im Vergleich zu der deutschen – ruhiger, entspannter, lebenswerter. Und daß ich nach wenigen Tagen allmählich in meine fast zweite Muttersprache zurückfand, hat mich natürlich zusätzlich strahlen lassen.
Meine Erkenntnis: Egal, was ich mache, Dänemark – und im Speziellen Jylland – wird immer mein Zuhause bleiben. Nirgendwo habe ich mich wohler gefühlt. Jederzeit würde ich wieder zurückziehen. So viele Kindheitserinnerungen haften an dem Land. Vielleicht klappt es ja eines Tages.

Die Freundschaft: Dieses Wochenende wollte ich mich mit einem dicken Kumpel und seiner Freundin treffen. Wieso eigentlich „und seiner Freundin“? Sie ist inzwischen auch meine Freundin – die beiden gehen nur als Kombination durch. Angepeilt war ein gemütlicher Abend mit Quatschen, Tratschen und Dummzeugs machen. Lange Rede, kurzer Sinn: Den zweien kam wider Erwarten etwas dazwischen. Sie haben sich auch bei mir gemeldet und abgesagt. Alles nicht sonderlich besonders. Aber: Beide hatten ein tierisch schlechtes Gewissen, mich versetzt zu haben. Bestimmt vier SMS hat mir mein Kumpel geschickt (von „das mach ich wieder gut“ bis „sei nicht sauer“ war alles dabei). Auch sie hat sich zweimal bei mir entschuldigt. Am Ende hatte ich fast das Gefühl, die beiden hat das härter getroffen als mich.
Meine Erkenntnis: Zwar wußte ich es schon vorher, aber nun bin ich mir definitiv sicher: Die beiden sind wahre Freunde! Und ich bin wirklich froh, sie zu kennen! Das mußte mal gesagt werden! Auch mit so vielen Ausrufezeichen!

Ringkøbing

Neue Medien, neue Wege, neue Ideen. Dem kann und will ich mich auch nicht verschließen. Seit kurzem macht ein neues System die Runde,  das vergleichbar mit einer Spende ist: Flattr.

Einmal angemeldet, kann man kleines Geld überweisen und das dann später im ganzen Internet verteilen – an alle, die ebenfalls bei Flattr angemeldet sind. So kann der Leser eines Blogs quasi ein kleines Dankeschön da lassen für einen gut geschriebenen/interessanten/peerfekten Text. Einfach auf den Button klicken und Flattr notiert das. Am Monatsende werden alle Flattreien zusammengerechnet und prozentual an die Schreiberlinge ausgeschüttet – im besten Fall auch ein wenig an mich.

So müssen die Leser kein Abo eingehen, zahlen freiwillig nur für die Beiträge, die sie gut finden oder unterstützen wollen. Und gleichzeitig freue zum Beispiel ich mich als Verfasser über jeden, der meinen Blogeintrag gerne gelesen hat und fühle mich noch weiter angespornt weiterzumachen. So sieht der Knopf aus:

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Ihr findet ihn oben links unter dem Titelbild. Es wäre echt super, wenn der eine oder andere tatsächlich mal auf den Button klickt. Keine Sorge: Ich werde auch weiterhin kostenlos für alle erreichbar bleiben und schreiben, weil es mir einfach Spaß macht. Aber über eine kleine Spende hier und da freue ich mich natürlich auch 😉

By the way: Wer sich auch bei Flattr anmelden will, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Zwei kostenlose Aktivierungscodes sind noch abzugeben. Einfach kurz unten ins Kommentarfeld mit gültiger Mailadresse schreiben und ich melde mich.

So schnell ist die Zeit auch schon wieder rum – gefühlt war vorgestern erst der 11. Juni und WM-Start. Dabei ist bereits ein Monat vergangen und eben lief das Finale zwischen Holland und Spanien im Fernsehen. Die Südeuropäer haben natürlich hochverdient mit 1:0 gewonnen, auch wenn viele das anders beurteilen.

Warum sich die Menschen nicht darüber freuen können, daß die Iberer mit ihrem erstklassigen und effizienten Fußball zum ersten Mal überhaupt eine Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben, wird sich mir nie erschließen. Immerhin haben wir Deutschen somit im Umkehrschluß ehrenvoll gegen den späteren Weltmeister verloren – besser als gegen die Nummer zwei. Aber viel schlimmer ist, daß jetzt das große, schwarze Loch kommt: keine WM mehr, nachrichtliche Ebbe, im Fernsehen nur Wiederholungen und die Bundesliga startet auch erst wieder im September. Und zu allem Überfluß ist auch dieses herrliche WM-Gefühl aus der Gesellschaft verschwunden. Kein kollektives „Schland“-Rufen mehr und kein einendes Gesprächsthema im Supermarkt. Deutschland ist nicht mehr schwarz-rot-gold, sondern meins-deins-seins.

Wie soll das nur weitergehen? Ehrlich, ich habe keine Ahnung – mir graut vor der Zeit. Im Dienst wird es wieder ernster, die Abende ein Stück weit langweiliger. Wenn jetzt noch alle aus meinem Freundeskreis in den Urlaub aufbrechen sollten, wäre das die Katastrophe. Am besten konsultiere ich mal das Orakel „Paul“ in Oberhausen: Der soll für mich meine Sommerzeit bis September weissagen. Bisher hat er bekanntlich auch immer richtig gelegen.

Baumärkte sind eine Welt im Kleinen, das durfte ich jetzt erst wieder erleben. Und wie die große Welt, so unterliegen auch Baumärkte eigenen Regeln. Was mir da alles passierte, wird den Lauf der Dinge nachhaltig verändern. Davon bin ich überzeugt!

Zuerst verirrte ich mich in den großen Gelben, dessen Vorname so klingt wie der Bruder von Moritz. Ich war auf der Suche nach einem kleinen Apfel- oder Birnenbaum. Wo geht man hin? Natürlich, in die Gartenabteilung. Nach langem Rumlaufen fand ich die Dinger endlich – in ihrem angestammten Lebensraum. Zwischen Koniferen und Tannen, kurz hinter den Deko-Schubkarren und zwischen unendlich vielen Feigenbäumen. Leichtes Kopfschütteln war angesagt. Gekauft habe ich einen Baum aber nicht, die waren alle schon zu groß für mein kleines Autochen.

Nächster Versuch: ein kleiner Orangenbaum. Natürlich stand er nicht neben Johannisbeere, Apfel und Birne. Jetzt mußte ich woanders gucken. Kurz vorm Verzweifeln endlich der Fund zwischen Kakteen und fleischfressenden Pflanzen. Vermutlich kriegen die immer das Fruchtfleisch serviert. Ich muß es nicht verstehen. Das Kopfschütteln wurde schon intensiver. Die Orangen sahen aber alle nicht so fein aus.

Anlauf Nummer drei, jetzt wollte ich einen Feuerkorb finden. Da stieß ich aber offenbar an die Grenzen der Konsumphysik – ich mußte fragen. Zwischen Teichpumpen und Sitzgarnituren dann ein Verkäufertierchen, das nicht schnell genug flüchten konnte. „Wo finde ich denn Feuerkörbe?“, fragte ich. Seine logische Antwort: „Suchen Sie mal da hinten, zwischen Gartenstuhlpolsterungen und den Grills.“ Und tatsächlich: Hinter den Grills und noch vor den Garten-Stehrümchen fand ich besagten Feuerkorb. Das Kopfschütteln wirkte sich langsam auch auf meine stabile Blickrichtung aus. Der Korb war gekauft. Aber was jetzt fehlte: Brennholz.

Raus auf die Freifläche, Brennholz liegt schließlich immer draußen, um gut zu trocknen. Aber: nichts zu finden. Ich pirschte mich an den nächsten Mitarbeiter ran: „Wo finde ich Brennholz?“ – „Das liegt hinten bei den Baustoffen.“ Ah, okay. Klingt auch nachvollziehbar. Immer mehr Menschen stellen sich unheimlich beliebte Brenn-Holzhütten in den Garten. Ich tingelte also wieder durch den ganzen (!!!) Baumarkt, vom linken zum rechten Ende.  Da wußte der Kollege ausnahmsweise mal gar nicht, wo das Brennholz steht. Offenbar war er neu und hatte die Baumarkt-Logik auch noch nicht durchschaut. Wir einigten uns schließlich auf ein Unentschieden – das Holz ist wohl gerade ausverkauft.

Ab zur Kasse und bezahlen, *kling*, dann weiter zum Baumarkt, der auch die WM im Fernsehen präsentiert. Ich dachte mir, Du lernst ja schnell, ab in die Baustoffabteilung. Aber auch hier kein Brennholz. „Entschuldigung, wo finde ich Holz für ein Lagerfeuer?“ – „Hier bestimmt nicht, das ist im Stadtgarten.“ So nannten die da ihre Gartenabteilung, klingt auch viel fescher. Aber da standen nur: Bonsaibäumchen, Orchideen, riesige Rasenmäher, kleine Kantenschneider. Der Info-Typ war zu langsam!

Folgender Dialog entspann sich:
Ich: „Wo finde ich Brennholz?“
Das Kopfschütteln konnte ich inzwischen gar nicht mehr abstellen.
Info-Typ: „Brennholz?“
Ich: „Ja, Brennholz.“
Info-Typ: „Haben wir nicht.“
Ich: „Wie, haben Sie nicht?“
Info-Typ: „Ist keine Saison.“
Ich: „Es ist keine Saison für Lagerfeuer?“
Info-Typ: „Nein.“
Ich: „Okay!?“
Info-Typ: „Okay!“

Tja, was nun? Jetzt hatte ich einen Feuerkorb, konnte ihn aber nicht anschmeißen. Tolle Nummer. Auf den Winter warten? Der Info-Typ gab mir den Tip, zum Förster zu gehen und mir ein paar Scheite zu kaufen.

Mir jedenfalls hat’s gereicht! Aus purem Protest bin ich nochmal auf das Freigelände des Stadtgartens gegangen und habe aus blankem Wahn nach Apfel- oder Birnenbäumen geguckt. Aber was finde ich? Bambus, Zitrusbäume und Feigen, überall Feigen – wie schon beim Bruder von Moritz. Da hat es bei mir Klick gemacht: Feigen sind die neuen Äpfel!

Schlagartig hörte das irritierte Kopfschütteln auf. Dafür habe ich aber jetzt weit aufgerissene Augen und lache immer manisch vor mich her. Baumärkte sind toll!

London oder Edinburgh? Alicante oder Stockholm? Madrid oder Mailand – egal, Hauptsache Italien… Im August habe ich seit einer halben Ewigkeit mal wieder etwas Urlaub in Aussicht. Der letzte war Anfang März, voll drei Tage. Für ganze sieben Tage bin ich jetzt von der Arbeit befreit, Wochenende mitgerechnet.  Danach geht’s für einen Monat nach Hamburg an die Akademie für Publizistik.

Und jetzt sitze ich hier auf der Terrasse und sehe den vielen Fliegern zu, die den Flughafen Hannover ansteuern. Da kriegt man schon Fernweh… Hunderte von Menschen, die aus wunderschönen Regionen kommen oder gerade dorthin aufbrechen. Ich will auch – zumindest für diese mikrige Augustwoche raus aus dem allgemeinen Trott.

Aber wohin? Alicante? Geht nur Dienstag bis Freitag, ist mir für einen reinen Nichtstun-Urlaub zu kurz. London? Da geht der Rückflug immer nur um 6.30 Uhr morgens, irgendwie nicht so urlaubstauglich. Nur Sonntag geht der Flieger abends. Da muß ich aber schon in Hamburg sein… Was für eine Zwickmühle!

Am Ende kommt es wohl wie immer: Ich bleibe in Lübeck und träume mich an andere Orte, indem ich in eine Cocktailbar gehe 🙂 Oder ich gehe an einen geheimen Ort, an dem mich keiner findet: Bielefeld.

Facebook war mir bislang eigentlich immer suspekt – bereits bei der Anmeldung konnte das System anhand meines Namens, Geburtsdatums und des Wohnortes gefühlt zu 90 Prozent passende Bekanntschaften ermitteln.  Mark Zuckerberg hat da wahrlich ganze Arbeit geleistet.

Doch nun habe ich erstmals die Vorzüge des globalen Social Networks kennengelernt. Zwar habe ich diverse ehemalige Schulfreunde wiedergefunden, aber der jetzige Fund ist eindeutig eine Klasse für sich: Gestern kontaktierte mich ein alter Bekannter, den ich im zarten Alter von vier Jahren zu meinem juvenilen Freundeskreis zählte. Mit anderen Worten: Zwei junge Burschen, die 1988 im dänischen Viborg das Kinderzimmer unsicher machten – noch vor dem ersten Tag in der Grundschule.

Besonders witzig ist aber, daß derjenige sogar nur 50 Kilometer von mir entfernt wohnt – in Hamburg. Und zu allem Überfluß: Wir sind beide seit Jahr und Tag Werder-Fans! Wem das jetzt aber zu unheimlich wird, der sei beruhigt: Schnell haben wir beide auch eine Komponente ausgemacht, die vermutlich auf Ewigkeit zu kleinen Reibereien führen wird: Sein Herz schlägt seit je her für Hamburg, ich habe meins auf Lebzeiten an die weltbeste Stadt (nach London) verloren – Berlin. Er wird es sicherlich auch noch merken und seine Meinung ändern 😉

Viel zu viele Bilder, viel zu teuer.

Rein mathematisch hätte es reichen müssen: 638 Sticker sind es, 1000 hatte ich mir besorgt. Natürlich ist die Rede vom aktuellen Panini-Album für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Zwei Schachteln à 100 Tüten wurden gekauft, aber es reichte nicht. Mir fehlen immer noch 114 Klebebildchen.

Ja, ich gehöre zu den verrückten Erwachsenen, die auch nach ihrer Pubertät nach wie vor die kleinen Kicker-Sticker sammeln. 2006, im Zuge der WM in Deutschland, habe ich die Liebe dazu wiederentdeckt. Seitdem kribbelt es mich in jedem EM- und WM-Jahr in den Fingern, wann endlich das neue Album auf den Markt kommt. Wochen vorher kann ich die wahrscheinlichen Mannschaften studieren und spätestens beim Anpfiff des Eröffnungsspiels kenne ich nicht nur Namen, sondern auch Gesichter der Ballkünstler.

Dieses Mal hat es Panini aber auf die Spitze getrieben, wenn man mich fragt. 638 Bilder müssen ins neue Heft geklebt werden. Alle 32 Nationen sind mit elf Stickern (ein Mannschaftsfoto, das Wappen und neun Spielerportraits) vertreten – das ist akzeptabel. Übertrieben haben es die Bildchenmacher aus Modena allerdings bei dem ganzen Gedöns drumrum: Pokal, Fifa-Spruch, Maskottchen und das Südafrika-Logo haben eigene Sticker, ja sogar der Ball hat einen. Der offizielle Schriftzug wird sogar auf zwei aufgeteilt, ebenso wie das offizielle Plakat. So kommt man natürlich locker auf 638 „Pickerl“, wie die Dinger in Österreich heißen. Um aber erst richtig Kohle zu scheffeln, gibt es zusätzlich noch vier exklusive Miroslav-Klose-Sticker, die man nur beim Kauf von Coca-Cola-Kisten/-Packs bekommt. Ich glaube, ich spinne!

Panini will wohl zunehmend die solventen, erwachsenen Kunden um ihr Geld erleichtern. Mit den Kindheitsfreuden meiner jungen Tage hat das nichts mehr zu tun: Das Album kostet zwei Euro, ein Tütchen mit fünf Bildern 60 Cent. Theoretisch, gäbe es eBay nicht, müßte der Nachwuchs aus eigener Tasche 120 Euro zahlen, um auf meine 1000 Bilder zu kommen. Zusätzlich dann noch sechs Euro oder mehr für die Cola-Klamotten. Welcher Sechsjährige kann sich das leisten? Ich kann es mir zwar leisten, sehe es aber nicht ein. Die restlichen 114 Sticker werde ich jetzt ganz klassisch tauschen. Schließlich habe ich über 350 Doppelte.

— Achtung, dieser Beitrag vertritt eine peersönliche Meinung —

Für mich als aus Berlin Zugezogener erschließt sich die gesamte Lübecker Flughafen-Debatte überhaupt nicht – ganz egal, wie das Votum heute um 18 Uhr ausfallen wird. Jahrelang wurde Geld in den Airport gepumpt, um eventuell mal in die Gewinnzone zu kommen. Damals waren alle Hansestädter für das Ding, symbolisierte es doch wohl Weltoffenheit und eine gewisse Monopolstellung in Schleswig-Holstein. Amortisiert hat sich Blankensee bislang nicht – wohl aber auch wegen der geringen Gebühren, die Ryanair und Wizz Air zu entrichten haben.

Gleichzeitig war eine wirtschaftliche Nutzung bestimmt nie realistisch, solange die Lande- und Startbahn nicht verlängert und somit auch für größere Flieger nutzbar wird. Jetzt liegt der Planfeststellungsbeschluß vor, um den Airport auszubauen und erstmals vielleicht auch Gewinn zu erwirtschaften. Dann sind plötzlich keine fünf Millionen Euro mehr dafür da. Aber – ich glaube, es war die Linkspartei – in der Bürgerschaft wird die Machbarkeitsstudie der Machbarkeit einer Straßenbahn in Lübeck gefordert. In einer verwinkelten, kompakt gebauten Regionalstadt, in der nicht mal die Busse ordentlich manövrieren können. Ja nee, ist klar, aber der Flughafen ist zu teuer! Und die sonst auf Arbeitnehmerseite stehende und Sicherheit für alle fordernde SPD plädiert für die Schließung und somit Entlassung von zahlreichen Beschäftigten. Seltsamerweise sind die Christdemokraten und Liberalen da sozialer als die Roten.

In Berlin würde niemand so lange rumeiern, sondern es einfach probieren – bei einem deutlich höheren Schuldenstand als in der Hansestadt. Entweder trägt sich der Airport am Ende oder man beerdigt das Projekt im Anschluß mit Würde. Aber man hat es immerhin probiert. Warum kümmern sich die Kritiker nicht lieber um hilfreiche Vorschläge? Mehr Airlines zu vernünftigen Konditionen braucht Blankensee! Germanwings, Air Berlin, TUIfly, easyJet – es gäbe genug. Mosern ist aber leichter, stimmt!

Mir ist hier schon öfter aufgefallen, daß die Lübecker ein merkwürdiges Verhältnis zu allem Neuen haben. Auf der einen Seite will man modern erscheinen und am besten mit der großen Schwester Hamburg konkurrieren – rührt wohl noch her aus der alten Hansezeit. Gleichzeitig soll aber alles bleiben, wie es ist. Haerder-Center: Pfui! Ikea in Dänischburg: Ja, aber bitte nur ohne Auswirkungen auf irgendwen irgendwo!

Das kann man tun. Aber dann möchte ich in einem halben Jahr niemanden hören, der Lübeck zu provinziell findet oder sich daran stört, daß kein Investor mehr an die Trave kommen will. Oder noch besser: „Früher mußte ich für den Flug nach London nicht erst nach Hamburg/Rostock/Hannover fahren.“

Und Ikea kriegen wir auch noch vergrault!

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