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Jetzt reicht es: Die aktuellen Spritpreise jenseits der 1,60 Euro für einen Liter Superbenzin haben mich dazu bewegt, schneller als erwartet ein neues Fahrrad zu kaufen. Also habe ich den verkaufsoffenen Sonntag genutzt, um mir bei Zweirad Wöltjen einen Drahtesel zuzulegen. Die Idee geisterte mir seit knapp einem Dreivierteljahr im Kopf herum, aber immer fehlte mir der letzte Impuls. Die erste Tour hat das Rad bereits hinter sich – einmal um die Kanaltrave, danach nach Hause auf Marli. Tolles Gefühl, mal wieder etwas für die Fitness zu tun – angenehmer Nebeneffekt bei der Sache. Um als Musterradler durchzugehen, habe ich sogar meinen alten Fahrradhelm entstaubt. Der lag vorher mehrere Jahre im Schrank und hat zwei Umzüge ungenutzt unbeschadet überstanden.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das schmucke Trekkingrad mit seinen 24 Gängen ersetzt mein uraltes Mountainbike, das gerade in letzter Zeit nicht gerade mit Zuverlässigkeit geglänzt hat: Kette samt Gangschaltung sind vollkommen verrostet und hakeln, der Lenker wackelt, Rostflecken an diversen Stellen, irgendwo im Rahmen hat die Beleuchtung sogar einen Kabelbruch. Ihr dürft jetzt lachen: Jedes Mal, wenn ich mit eingeschaltetem Dynamo gefahren bin, habe ich beim Bremsen einen gewischt bekommen – offenbar war dann der Stromkreislauf wieder geschlossen. Zuletzt hat dann auch noch mein Heckreifen den Geist aufgegeben und hängt jetzt nur noch als schlaffes Gummi an der Felge. Ich glaube, einzig brauchbar an dem Teil sind nur noch Vorderrad und Scheibenbremsen.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Künftig werde ich nun also mit dem voll funktionsfähigen Trekkingrad Lübeck unsicher machen – privat sowie an Diensttagen, an denen ich Produktion (Innendienst) habe. Für den Rest (Einkäufe und schreibenden Dienst) habe ich mein treues Auto und – ab kommendem Wochenende endlich wieder – mein über alles geliebtes Motorrad. Gleichzeitig wird es sicherlich noch einige Märsche zu Fuß durch die Hansestadt geben. Zusammen macht das also eine peersche Mobilität von acht Reifen und zwei Füßen. Vier Fortbewegungsarten, vier Möglichkeiten für neue Erfahrungen.

Vielleicht verstehe ich dann bald alle Verkehrsteilnehmer besser:

  • Warum warten 90 Prozent der lübschen Autos immer auf dem rechten Fahrstreifen der zweispurigen Kreisverkehre?
  • Warum ignorieren viele Radler konsequent die Rechts-vor-links-Regeln und beschweren sich, wenn sich Autofahrer beschweren?
  • Warum fahren manche Biker mit röhrendem Motor durch die Innenstadt?
  • Warum laufen Fußgänger ständig an den falschen Stellen durch die Stadt?

Und falls ich keine großen Erkenntnisse auf diese noch viel größeren Fragen erlange, kann ich immer noch aus einer der vier Peerspektiven auf die anderen drei Fortbewegungsmöglichkeiten schimpfen. Ich finde, das ist ein guter Plan.

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Boah, was für ein Erlebnis: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich tatsächlich an einem Auto rumgeschraubt. Und ich meine damit nicht den simplen Reifenwechsel im Frühjahr oder Herbst – genauso wenig wie das Auswechseln von kaputten Glühbirnen.  Nein, diese Aufgabe war härter! „Mission Scheibenklar“ hatte zum Ziel, meinen kaputten Wischermotor durch einen neuen gut erhaltenen gebrauchten zu ersetzen.

Gesagt, getan!

Zum Glück hatte ich einen erfahrenen Tüftler an meiner Seite…

Wischermotor

Da ist das Ding (das funktionierende)!

Laut diverser Beiträge in einschlägigen Seat-Foren mußte ich nur die Schrauben der Wischerarme lösen – das dauerte bei mir knapp eine halbe Stunde (festgerostet).
Dann nur fix die Plastikabdeckung unterhalb der Scheibe abnehmen – auch das dauerte über eine halbe Stunde, inklusive wiederholter Internet-Recherche, wie das verdammte Teil nun abgeht.
Schließlich den Wischermotor inklusive Gestänge ausbauen, indem man äußerst simpel alles leicht ankippt und nach oben rauszieht – ich mußte drei Schrauben am Motor lösen, das Gestänge verbiegen, die Verkleidung des Motorraums etwas zurechtbiegen, eine weitere Halterung abschrauben. Alles total easy!
Nun einfach Schritt eins bis drei in umgekehrter Reihenfolge durchführen – es gab weitere Probleme, die ich Euch ersparen möchte.

Letztlich saß dann aber alles. Naja, fast: Die Schrauben der Wischerarme passen jetzt nicht mehr auf die neuen Bolzen des Gestänges. Zum Glück soll morgen die Sonne scheinen… Und mein freundlicher Werkstatt-Schrauber wird mich trotzdem sehen. Obwohl ich vorher noch großspurig behauptet habe, garantiert nicht zum Autofachmann zu fahren. Er muß jetzt die Wischer anschrauben – da wußten wir beide nicht weiter.

Aber da stehe ich drüber! Ich bin jetzt ein echter Kerl! Ich habe an einem Auto geschraubt!

Glykol, BSE, Melamin, Industrieöl, Nitrofen, Methanol, Cäsium, Dioxin, Preßfleisch-Garnelen, Acrylamid, Östrogen, Thrombin, Listeriose-Bakterien, Hühnerkot, Clenbuterol, Nematoden, Lindan, Salmonellen, Nikotin, Antibiotika, Gammelfleisch, Chloramphenicol, Nitrofuran, Analogkäse.

Das war nur von 1980 bis heute. Guten Appetit!

Selten hat mich ein Wochenende so im Griff wie das jetzige. Obwohl gerade erst die Halbzeit überschritten ist, ist es eins der Einprägsamsten in diesem Jahr. So viele Dinge sind geschehen, so viele Dinge sind mir passiert, si viele Dinge haben mich beschäftigt:

Das Motorrad: Widerstrebend habe ich meine BMW wieder in ihr Winterquartier gebracht. Die letzte Tour war erfüllt von Windböen, Nieselregen, Laub und Kälte –  nichts, was man sich vorranging für die Fahrt mit dem Mopped wünscht. Schweren Herzens habe ich Freitag den Schlüssel dem vertrauensvollen Schrauber übergeben. Er wird sich gut um mein Motorrad kümmern, im März spätestens hat es mich wieder. Auch wenn ich heute Morgen sofort bereut habe, mein Zweirad jetzt schon abgegeben zu haben. Eine Woche wäre doch bestimmt noch gegangen! Aber dann sprach die Vernunft zu mir: Lieber jetzt, als sich bei Schnee, Eis und Matsch auf die Fresse zu packen.
Meine Erkenntnis: Manchmal sollte ich doch lieber auf meinen Verstand hören und der nächste Frühling kommt bestimmt – auf irgendwas muß ich mich schließlich freuen.

Das Handy: Freitag kam mein Galaxy endlich aus der Reparatur zurück – zwei Wochen mußte ich darauf verzichten. In der Zwischenzeit war ich für sieben Tage in Dänemark und habe mich mit meinem uralten SonyEricsson K700i („Baujahr“ 2004) rumgeschlagen. Außerdem hatte ich danach noch eine Woche Urlaub. Bis zu diesem Moment war ich der felsenfesten Überzeugung, auf mein Smartphone jederzeit verzichten zu können. Doch kaum rief mein freundlicher Handy-Tüftler an, habe ich mich binnen 30 Minuten auf den Weg gemacht, um mein Samsung abzuholen. Es kribbelte doch wieder in den Fingern. Kaum war der Akku zurück in der Maschine, ging das Daddeln wieder los – Twittern hier, Facebooken da, Foursquaren dort. Die Endorphine sprudelten nur so durch mich durch.
Meine Erkenntnis: Ich bin süchtig nach dem mobilen Internet! Aber es fühlt sich gut an!

Die Dänemark-Woche: Vom 30. Oktober bis 6. November war ich in Vester Husby an der dänischen Nordseeküste, etwas nördlich des Ringkøbing Fjords. Nach Jahren der Jylland-Abstinenz (vergangenen Mai habe ich es immerhin nach Kopenhagen geschafft), war ich endlich wieder auf dem dänischen Festland. Ich kann mir gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal dort gewesen bin. Und es fühlte sich wieder genau so an wie es einst war und immer noch ist: wie Heimat. Ich konnte wieder in die dänische Sprache eintauchen, das Land und die Leute genießen. Es ist eine ganz andere Welt im Vergleich zu der deutschen – ruhiger, entspannter, lebenswerter. Und daß ich nach wenigen Tagen allmählich in meine fast zweite Muttersprache zurückfand, hat mich natürlich zusätzlich strahlen lassen.
Meine Erkenntnis: Egal, was ich mache, Dänemark – und im Speziellen Jylland – wird immer mein Zuhause bleiben. Nirgendwo habe ich mich wohler gefühlt. Jederzeit würde ich wieder zurückziehen. So viele Kindheitserinnerungen haften an dem Land. Vielleicht klappt es ja eines Tages.

Die Freundschaft: Dieses Wochenende wollte ich mich mit einem dicken Kumpel und seiner Freundin treffen. Wieso eigentlich „und seiner Freundin“? Sie ist inzwischen auch meine Freundin – die beiden gehen nur als Kombination durch. Angepeilt war ein gemütlicher Abend mit Quatschen, Tratschen und Dummzeugs machen. Lange Rede, kurzer Sinn: Den zweien kam wider Erwarten etwas dazwischen. Sie haben sich auch bei mir gemeldet und abgesagt. Alles nicht sonderlich besonders. Aber: Beide hatten ein tierisch schlechtes Gewissen, mich versetzt zu haben. Bestimmt vier SMS hat mir mein Kumpel geschickt (von „das mach ich wieder gut“ bis „sei nicht sauer“ war alles dabei). Auch sie hat sich zweimal bei mir entschuldigt. Am Ende hatte ich fast das Gefühl, die beiden hat das härter getroffen als mich.
Meine Erkenntnis: Zwar wußte ich es schon vorher, aber nun bin ich mir definitiv sicher: Die beiden sind wahre Freunde! Und ich bin wirklich froh, sie zu kennen! Das mußte mal gesagt werden! Auch mit so vielen Ausrufezeichen!

Ringkøbing

Rechts stehen, links gehenBuckingham Palace, Westminster Abbey, Big Ben, Tower Bridge und Piccadilly Circus – es gibt sicher unzählige Dinge, die man als Tourist in London gesehen haben muß. Man gilt erst dann als versierter Gast, wenn man blind in die Portobello Road findet oder die 311 Stufen bis zur Aussichtsplattform des Monuments erklommen hat. Ganz zu schweigen vom obligatorischen „Mind the Gap“-Kaffeebecher oder einem Besuch bei Madame Tussaud’s.

Alles schön und gut, aber es bedarf so viel mehr, um ein echter Londoner zu sein. Das wurde mir erst wieder bewußt, als ich diese Woche erneut für drei Tage in der weltbesten Stadt der Welt wohnen konnte. Fehlerfrei und problemlos bewegt man sich in der Sieben-Millionen-Metropole erst, wenn man beispielsweise automatisch rechts auf der Rolltreppe der U-Bahn steht: „Stand right, go left“ steht überall. Keine Staus, kein Geschubse, kein Gemaule. Und alle halten sich dran.

Andere Touristenfalle: die Treppenbenutzung. Natürlich nimmt der echte Londoner nicht die rechte Hälfte der Stufen, sondern die linke – ganz wie im Straßenverkehr. Apropos Straßenverkehr, Fußgängerampeln sind auch nur für die grobe Hilfe da. Vielmehr vertraut der Großstädter auf seinen gesunden Menschenverstand und geht dann, wenn der Weg frei ist – egal, ob Rot oder Grün. So mache ich das als Berliner zwar auch immer noch in Lübeck, dafür ernte ich aber regelmäßig böse Blicke (vorrangig von den älteren Generationen).

Der Regenschirm ist ebenfalls so eine Sache des waschechten Londoners. Daß man den immer dabei haben sollte, wissen auch Touristen, der korrekte Umgang damit ist aber wieder etwas anderes. Auf rappelvollen Straßen wie der Regent oder Oxford Street beweist der echte Hauptstädter, daß er gekonnt durch Kippen, Neigen und Hochheben den anderen Schirmen ausweichen kann, ohne selbst dadurch einen Regentropfen mehr zu kassieren. Das ist London!

Lübeck, oder in dem Fall vermutlich ganz Deutschland, glänzt im Gegensatz dazu durch beschämendes stures Umsetzen von Regeln. Nach der Landung auf dem Flughafen in Blankensee war eine Airport-Mitarbeiterin nicht damit zufrieden, daß sich die Massen gesittet und selbständig in eine Warteschlange vor der Paßkontrolle einreihten. Gemäß deutscher Gründlichkeit mußten sich alle Fluggäste nachträglich in die vorher genauestens ausgerichteten Warteschlangen-Gassen (wie vor Achterbahnen im Freizeitpark) einordnen. Man sollte die Flughafenfrau das mal vor den Kontrollautomaten an der Londoner Underground-Station Charing Cross probieren lassen.

Ich will wieder zurück!

Irgendeine neue Statistik besagt, daß die Zahl der Temposünder im vergangenen massiv zugenommen hat. Passenderweise zeigt RTL in seinem „Nachtjournal“ Polizeivideos von leeren Autobahnen. Mal fährt einer 140 statt der erlaubten 100 Stundenkilometer, mal schießt sogar einer mit 170km/h über die Piste. Die Verkehrsexperten haben schon einen Sündigen ausgemacht: die Autohersteller, die so schnelle Wagen züchten.

Klar, zu schnell fahren kann gefählich sein. Ein generelles „Buh“ auf alles, was schneller als mit 130 Stundenkilometer unterwegs ist, halte ich aber für bescheuert. 170 in der 100er-Zone fahre ich auch nicht, das heißt aber umgekehrt nicht, daß ich nicht 250 fahren will, wo ich es darf und kann.

Viel schlimmer finde ich dagegen, daß seit Jahren augenscheinlich immer mehr Menschen nicht einmal mehr die einfachsten Verkehrsregeln beherrschen: bei Rot stehen, bei Grün gehen beziehungsweise fahren. So oft ist mir ein Auto auf der Kreuzung über den Weg geschossen, das meinte, Kirschgrün zählt nicht. Hupen verursacht beim Verkehrssünder eher nur Wut und Pöbelei. Wer ist hier eigentlich im Recht? Oder Abbiegen ohne zu blinken, auch eine herrliche Nummer. Plötzlich in die Eisen gehen, unvermittelt abbiegen. Wenn der Vordermann großzügig ist, verrät er mir während des Lenkens, wo er hin will. Olé, olé, danke Mann!

Wo sind da eigentlich die Beamten, die sich sonst auf Autobahnen mit Videowagen rumdrücken oder die Zeit lieber damit vertreiben, mit dem Streifenwagen durch die Fußgängerzone zu fahren? Laufen ist schließlich uncool, mit Sonnenbrille am Steuer des silber-blauen „Passat“ natürlich viel fescher.

Mich jedenfalls stört ein Autofahrer auf einer leeren, vierspurigen Straße mit 70 Stundenkilometern weniger, als ein Depp, der mich bei für ihn Rot von der Kreuzung putzt. Mir täten auf Anhieb drei Verkehrspunkte einfallen, wo eine Kontrolle Sinn ergeben würde. Aber mich fragt ja keiner. Außerdem müßten die Polizisten dann selbst raus aus dem Auto, beim Blitzen kann man schließlich sitzen bleiben und die Fotos schießt ein Automat.

Immer mehr Leute schaffen sich neuerdings so ein Drinnen-draußen-Thermometer an. Also so ein Teil, das einem erstens die Innentemperatur verrät und zweitens das Wetter vor der Tür. Ehrlich gesagt habe ich diesen Sinn nie ganz verstanden. In der Bude reicht mir die Einteilung in „zu kalt“, „paßt“ und „viel zu warm“. Und um zu wissen, was Petrus draußen treibt, brauche ich nur einen Blick durch die transparente Wand meiner Wohnung zu werfen – für Schnelldenker: das Fenster.

Außerdem gibt es in jedem gut sortierten deutschen Haushalt ein Thermometer, das viel zuverlässiger als jeder Technik-Schnickschnack arbeitet und obendrein noch logisch unterteilt ist: das Nutella-Glas beziehungsweise der braune Inhalt:

  1. Die Nutella ist steinhart, das Messer verbiegt sich beim Rausboren der braunen Masse: Es muß Winter sein, ich sollte besser heizen.
  2. Die Nutella ist streichfähig: Genau das richtige Klima für einen ausgewogenen Tag. So fühlt sich der Peer wohl.
  3. Die Nutella ist mehr als nur sehr weich: Kurze-Hosen-Wetter für alle! Der Sommer ist in der Wohnung angekommen. Schnell Ventilatoren aufbauen und Eis bunkern.
  4. Die Nutella hat eine flüssige Fettschicht über dem eigenen Schokokram: Oh, oh! Der Hitzekoller steht unmittelbar bevor. Jetzt am besten abkühlen oder das Ende aller Tage ist erreicht.

Das Nutella-Thermometer funktioniert natürlich nur, wenn es an einem normalerweise kühlen und schattigen Ort gelagert wird – dem Küchenschrank beispielsweise. Wer dann jeden Morgen beim Frühstück auf die vier Aggregatzustände achtet, ist für den gesamten Tag gewappnet.

So schnell ist die Zeit auch schon wieder rum – gefühlt war vorgestern erst der 11. Juni und WM-Start. Dabei ist bereits ein Monat vergangen und eben lief das Finale zwischen Holland und Spanien im Fernsehen. Die Südeuropäer haben natürlich hochverdient mit 1:0 gewonnen, auch wenn viele das anders beurteilen.

Warum sich die Menschen nicht darüber freuen können, daß die Iberer mit ihrem erstklassigen und effizienten Fußball zum ersten Mal überhaupt eine Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben, wird sich mir nie erschließen. Immerhin haben wir Deutschen somit im Umkehrschluß ehrenvoll gegen den späteren Weltmeister verloren – besser als gegen die Nummer zwei. Aber viel schlimmer ist, daß jetzt das große, schwarze Loch kommt: keine WM mehr, nachrichtliche Ebbe, im Fernsehen nur Wiederholungen und die Bundesliga startet auch erst wieder im September. Und zu allem Überfluß ist auch dieses herrliche WM-Gefühl aus der Gesellschaft verschwunden. Kein kollektives „Schland“-Rufen mehr und kein einendes Gesprächsthema im Supermarkt. Deutschland ist nicht mehr schwarz-rot-gold, sondern meins-deins-seins.

Wie soll das nur weitergehen? Ehrlich, ich habe keine Ahnung – mir graut vor der Zeit. Im Dienst wird es wieder ernster, die Abende ein Stück weit langweiliger. Wenn jetzt noch alle aus meinem Freundeskreis in den Urlaub aufbrechen sollten, wäre das die Katastrophe. Am besten konsultiere ich mal das Orakel „Paul“ in Oberhausen: Der soll für mich meine Sommerzeit bis September weissagen. Bisher hat er bekanntlich auch immer richtig gelegen.

Baumärkte sind eine Welt im Kleinen, das durfte ich jetzt erst wieder erleben. Und wie die große Welt, so unterliegen auch Baumärkte eigenen Regeln. Was mir da alles passierte, wird den Lauf der Dinge nachhaltig verändern. Davon bin ich überzeugt!

Zuerst verirrte ich mich in den großen Gelben, dessen Vorname so klingt wie der Bruder von Moritz. Ich war auf der Suche nach einem kleinen Apfel- oder Birnenbaum. Wo geht man hin? Natürlich, in die Gartenabteilung. Nach langem Rumlaufen fand ich die Dinger endlich – in ihrem angestammten Lebensraum. Zwischen Koniferen und Tannen, kurz hinter den Deko-Schubkarren und zwischen unendlich vielen Feigenbäumen. Leichtes Kopfschütteln war angesagt. Gekauft habe ich einen Baum aber nicht, die waren alle schon zu groß für mein kleines Autochen.

Nächster Versuch: ein kleiner Orangenbaum. Natürlich stand er nicht neben Johannisbeere, Apfel und Birne. Jetzt mußte ich woanders gucken. Kurz vorm Verzweifeln endlich der Fund zwischen Kakteen und fleischfressenden Pflanzen. Vermutlich kriegen die immer das Fruchtfleisch serviert. Ich muß es nicht verstehen. Das Kopfschütteln wurde schon intensiver. Die Orangen sahen aber alle nicht so fein aus.

Anlauf Nummer drei, jetzt wollte ich einen Feuerkorb finden. Da stieß ich aber offenbar an die Grenzen der Konsumphysik – ich mußte fragen. Zwischen Teichpumpen und Sitzgarnituren dann ein Verkäufertierchen, das nicht schnell genug flüchten konnte. „Wo finde ich denn Feuerkörbe?“, fragte ich. Seine logische Antwort: „Suchen Sie mal da hinten, zwischen Gartenstuhlpolsterungen und den Grills.“ Und tatsächlich: Hinter den Grills und noch vor den Garten-Stehrümchen fand ich besagten Feuerkorb. Das Kopfschütteln wirkte sich langsam auch auf meine stabile Blickrichtung aus. Der Korb war gekauft. Aber was jetzt fehlte: Brennholz.

Raus auf die Freifläche, Brennholz liegt schließlich immer draußen, um gut zu trocknen. Aber: nichts zu finden. Ich pirschte mich an den nächsten Mitarbeiter ran: „Wo finde ich Brennholz?“ – „Das liegt hinten bei den Baustoffen.“ Ah, okay. Klingt auch nachvollziehbar. Immer mehr Menschen stellen sich unheimlich beliebte Brenn-Holzhütten in den Garten. Ich tingelte also wieder durch den ganzen (!!!) Baumarkt, vom linken zum rechten Ende.  Da wußte der Kollege ausnahmsweise mal gar nicht, wo das Brennholz steht. Offenbar war er neu und hatte die Baumarkt-Logik auch noch nicht durchschaut. Wir einigten uns schließlich auf ein Unentschieden – das Holz ist wohl gerade ausverkauft.

Ab zur Kasse und bezahlen, *kling*, dann weiter zum Baumarkt, der auch die WM im Fernsehen präsentiert. Ich dachte mir, Du lernst ja schnell, ab in die Baustoffabteilung. Aber auch hier kein Brennholz. „Entschuldigung, wo finde ich Holz für ein Lagerfeuer?“ – „Hier bestimmt nicht, das ist im Stadtgarten.“ So nannten die da ihre Gartenabteilung, klingt auch viel fescher. Aber da standen nur: Bonsaibäumchen, Orchideen, riesige Rasenmäher, kleine Kantenschneider. Der Info-Typ war zu langsam!

Folgender Dialog entspann sich:
Ich: „Wo finde ich Brennholz?“
Das Kopfschütteln konnte ich inzwischen gar nicht mehr abstellen.
Info-Typ: „Brennholz?“
Ich: „Ja, Brennholz.“
Info-Typ: „Haben wir nicht.“
Ich: „Wie, haben Sie nicht?“
Info-Typ: „Ist keine Saison.“
Ich: „Es ist keine Saison für Lagerfeuer?“
Info-Typ: „Nein.“
Ich: „Okay!?“
Info-Typ: „Okay!“

Tja, was nun? Jetzt hatte ich einen Feuerkorb, konnte ihn aber nicht anschmeißen. Tolle Nummer. Auf den Winter warten? Der Info-Typ gab mir den Tip, zum Förster zu gehen und mir ein paar Scheite zu kaufen.

Mir jedenfalls hat’s gereicht! Aus purem Protest bin ich nochmal auf das Freigelände des Stadtgartens gegangen und habe aus blankem Wahn nach Apfel- oder Birnenbäumen geguckt. Aber was finde ich? Bambus, Zitrusbäume und Feigen, überall Feigen – wie schon beim Bruder von Moritz. Da hat es bei mir Klick gemacht: Feigen sind die neuen Äpfel!

Schlagartig hörte das irritierte Kopfschütteln auf. Dafür habe ich aber jetzt weit aufgerissene Augen und lache immer manisch vor mich her. Baumärkte sind toll!

London oder Edinburgh? Alicante oder Stockholm? Madrid oder Mailand – egal, Hauptsache Italien… Im August habe ich seit einer halben Ewigkeit mal wieder etwas Urlaub in Aussicht. Der letzte war Anfang März, voll drei Tage. Für ganze sieben Tage bin ich jetzt von der Arbeit befreit, Wochenende mitgerechnet.  Danach geht’s für einen Monat nach Hamburg an die Akademie für Publizistik.

Und jetzt sitze ich hier auf der Terrasse und sehe den vielen Fliegern zu, die den Flughafen Hannover ansteuern. Da kriegt man schon Fernweh… Hunderte von Menschen, die aus wunderschönen Regionen kommen oder gerade dorthin aufbrechen. Ich will auch – zumindest für diese mikrige Augustwoche raus aus dem allgemeinen Trott.

Aber wohin? Alicante? Geht nur Dienstag bis Freitag, ist mir für einen reinen Nichtstun-Urlaub zu kurz. London? Da geht der Rückflug immer nur um 6.30 Uhr morgens, irgendwie nicht so urlaubstauglich. Nur Sonntag geht der Flieger abends. Da muß ich aber schon in Hamburg sein… Was für eine Zwickmühle!

Am Ende kommt es wohl wie immer: Ich bleibe in Lübeck und träume mich an andere Orte, indem ich in eine Cocktailbar gehe 🙂 Oder ich gehe an einen geheimen Ort, an dem mich keiner findet: Bielefeld.