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Clever! Ich bin förmlich begeistert! So ein schlauer Schachzug muß einem erst einmal einfallen! Die meisten halten mit ihren Ideen zunächst hinter’m Berg, aber, Respekt, sowas zu fordern! Verdammt, daß mir das nicht vorher eingefallen ist! Worum es geht? Natürlich um die 28 neuen Blitzer für Lübeck, die unser Innensenator Bernd Möller (Grüne) fordert. Überall sehe und höre ich zwar schon wieder die Neider, die sagen: „Das ist Abzocke!“, „Der Autofahrer muß wieder als Melkkuh herhalten!“, „Dafür ist Geld da!“. Aber haben sich all die Nörgler schon einmal vor Augen geführt, daß Lübeck dadurch in allen Bereichen Pluspunkte sammeln wird? Das hat Potential!

Der Titel „Blitzer-Hauptstadt“ ist geradezu prädestiniert für offensives Marketing. Wir werden weit über die Stadtgrenzen berühmt werden, nicht nur im negativen Sinne. Mitte August wurde endlich offiziell, daß die Ortsschilder um „Universitätsstadt“ erweitert werden. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich fordere, „Hanse-, Universitäts- und Blitzerstadt Lübeck“ überall an die gelben Hinweistafeln zu pappen. Bei der Gelegenheit kann das Lübeck-Travemünde Marketing gleich mit einsteigen in die globale Lübeck-Vermarktung. In den Werbebroschüren und im Internet wird „Wohlfühlhauptstadt“ einfach um „Blitzerhauptstadt“ ergänzt. Mit dem Slogan fängt man Touris!

Mir schweben bereits verschiedene Ideen vor, für die unterschiedlichsten Zielgruppen.

Beispiel 1: Paßfoto-Suchende, die demnächst Bewerbungsmappen schreiben oder Ausweise erneuern müssen. Künftig können sie an 33 Stationen (inklusive der bereits bestehenden Automaten im St.-Jürgen-Ring) Portraits von sich schießen lassen – für jeweils 15 Euro, inklusive kostenlosem Versand nach Hause. Die Kunden haben sogar die Qual der Wahl: Waren die Aufnahmen in der Moislinger Allee zu dunkel? Kein Problem, an der Brandenbaumer Landstraße sind die Häuser nicht so hoch, das Sonnenlicht fällt besser ins Auto.

Beispiel 2: Menschen ohne Alibi. Demnächst können sie ständig durch Lübecks Straßen fahren und sich überall fotografieren lassen. Dann sehen Polizei und Staatsanwaltschaft ziemlich alt aus, wenn jeder für jede Uhrzeit immer ein Blitzer-Alibi hat. „Wo waren Sie am Montag gegen 12.30 Uhr?“ – „In der Geniner Straße, hier das Foto aus dem Blitzer.“

Beispiel 3: Hotelbewertungen. Die werden ab sofort genauer. Mit den Sternen läßt sich schummeln, auch Kundeneinträge bei Qype sind meist äußerst subjektiv. Aber Lübecks Lärmskala wird das Rating-System im Übernachtungssektor revolutionieren. Immerhin sind die Blitzer genau für diesen Zweck da. „Der vermehrte Einsatz von ortsfesten Geschwindigkeitsmessanlagen ist eine effektive Maßnahme zur Senkung des Lärmpegels“, so Möller gegenüber den Lübecker Nachrichten. Ein Blitzer heißt künftig laut, fünf schön leise. Anders ausgedrückt: Marlistraße pfui, Travemünder Allee hui.

Ich bin mir sicher, die Touristen werden nur so in die Stadt strömen. Die bringen nicht nur Geld ins Stadtsäckel (rund 240 000 Euro pro Fotomast), sondern kurbeln auch die hiesige Wirtschaft an. Das wiederum steigert die Gewerbesteuer und fließt somit ebenfalls in den maroden Haushalt – eine klassische Win-win-Situation.

Aber das Beste daran: Lübeck hat endlich Geld, um die Schlaglochstraßen zu sanieren. Dann können die Autofahrer nämlich auch realistisch ohne Schäden am Wagen so schnell fahren, daß der Blitzer reagiert.

Das hat Potential!

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