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Immer mehr Leute schaffen sich neuerdings so ein Drinnen-draußen-Thermometer an. Also so ein Teil, das einem erstens die Innentemperatur verrät und zweitens das Wetter vor der Tür. Ehrlich gesagt habe ich diesen Sinn nie ganz verstanden. In der Bude reicht mir die Einteilung in „zu kalt“, „paßt“ und „viel zu warm“. Und um zu wissen, was Petrus draußen treibt, brauche ich nur einen Blick durch die transparente Wand meiner Wohnung zu werfen – für Schnelldenker: das Fenster.

Außerdem gibt es in jedem gut sortierten deutschen Haushalt ein Thermometer, das viel zuverlässiger als jeder Technik-Schnickschnack arbeitet und obendrein noch logisch unterteilt ist: das Nutella-Glas beziehungsweise der braune Inhalt:

  1. Die Nutella ist steinhart, das Messer verbiegt sich beim Rausboren der braunen Masse: Es muß Winter sein, ich sollte besser heizen.
  2. Die Nutella ist streichfähig: Genau das richtige Klima für einen ausgewogenen Tag. So fühlt sich der Peer wohl.
  3. Die Nutella ist mehr als nur sehr weich: Kurze-Hosen-Wetter für alle! Der Sommer ist in der Wohnung angekommen. Schnell Ventilatoren aufbauen und Eis bunkern.
  4. Die Nutella hat eine flüssige Fettschicht über dem eigenen Schokokram: Oh, oh! Der Hitzekoller steht unmittelbar bevor. Jetzt am besten abkühlen oder das Ende aller Tage ist erreicht.

Das Nutella-Thermometer funktioniert natürlich nur, wenn es an einem normalerweise kühlen und schattigen Ort gelagert wird – dem Küchenschrank beispielsweise. Wer dann jeden Morgen beim Frühstück auf die vier Aggregatzustände achtet, ist für den gesamten Tag gewappnet.

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So schnell ist die Zeit auch schon wieder rum – gefühlt war vorgestern erst der 11. Juni und WM-Start. Dabei ist bereits ein Monat vergangen und eben lief das Finale zwischen Holland und Spanien im Fernsehen. Die Südeuropäer haben natürlich hochverdient mit 1:0 gewonnen, auch wenn viele das anders beurteilen.

Warum sich die Menschen nicht darüber freuen können, daß die Iberer mit ihrem erstklassigen und effizienten Fußball zum ersten Mal überhaupt eine Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben, wird sich mir nie erschließen. Immerhin haben wir Deutschen somit im Umkehrschluß ehrenvoll gegen den späteren Weltmeister verloren – besser als gegen die Nummer zwei. Aber viel schlimmer ist, daß jetzt das große, schwarze Loch kommt: keine WM mehr, nachrichtliche Ebbe, im Fernsehen nur Wiederholungen und die Bundesliga startet auch erst wieder im September. Und zu allem Überfluß ist auch dieses herrliche WM-Gefühl aus der Gesellschaft verschwunden. Kein kollektives „Schland“-Rufen mehr und kein einendes Gesprächsthema im Supermarkt. Deutschland ist nicht mehr schwarz-rot-gold, sondern meins-deins-seins.

Wie soll das nur weitergehen? Ehrlich, ich habe keine Ahnung – mir graut vor der Zeit. Im Dienst wird es wieder ernster, die Abende ein Stück weit langweiliger. Wenn jetzt noch alle aus meinem Freundeskreis in den Urlaub aufbrechen sollten, wäre das die Katastrophe. Am besten konsultiere ich mal das Orakel „Paul“ in Oberhausen: Der soll für mich meine Sommerzeit bis September weissagen. Bisher hat er bekanntlich auch immer richtig gelegen.

Baumärkte sind eine Welt im Kleinen, das durfte ich jetzt erst wieder erleben. Und wie die große Welt, so unterliegen auch Baumärkte eigenen Regeln. Was mir da alles passierte, wird den Lauf der Dinge nachhaltig verändern. Davon bin ich überzeugt!

Zuerst verirrte ich mich in den großen Gelben, dessen Vorname so klingt wie der Bruder von Moritz. Ich war auf der Suche nach einem kleinen Apfel- oder Birnenbaum. Wo geht man hin? Natürlich, in die Gartenabteilung. Nach langem Rumlaufen fand ich die Dinger endlich – in ihrem angestammten Lebensraum. Zwischen Koniferen und Tannen, kurz hinter den Deko-Schubkarren und zwischen unendlich vielen Feigenbäumen. Leichtes Kopfschütteln war angesagt. Gekauft habe ich einen Baum aber nicht, die waren alle schon zu groß für mein kleines Autochen.

Nächster Versuch: ein kleiner Orangenbaum. Natürlich stand er nicht neben Johannisbeere, Apfel und Birne. Jetzt mußte ich woanders gucken. Kurz vorm Verzweifeln endlich der Fund zwischen Kakteen und fleischfressenden Pflanzen. Vermutlich kriegen die immer das Fruchtfleisch serviert. Ich muß es nicht verstehen. Das Kopfschütteln wurde schon intensiver. Die Orangen sahen aber alle nicht so fein aus.

Anlauf Nummer drei, jetzt wollte ich einen Feuerkorb finden. Da stieß ich aber offenbar an die Grenzen der Konsumphysik – ich mußte fragen. Zwischen Teichpumpen und Sitzgarnituren dann ein Verkäufertierchen, das nicht schnell genug flüchten konnte. „Wo finde ich denn Feuerkörbe?“, fragte ich. Seine logische Antwort: „Suchen Sie mal da hinten, zwischen Gartenstuhlpolsterungen und den Grills.“ Und tatsächlich: Hinter den Grills und noch vor den Garten-Stehrümchen fand ich besagten Feuerkorb. Das Kopfschütteln wirkte sich langsam auch auf meine stabile Blickrichtung aus. Der Korb war gekauft. Aber was jetzt fehlte: Brennholz.

Raus auf die Freifläche, Brennholz liegt schließlich immer draußen, um gut zu trocknen. Aber: nichts zu finden. Ich pirschte mich an den nächsten Mitarbeiter ran: „Wo finde ich Brennholz?“ – „Das liegt hinten bei den Baustoffen.“ Ah, okay. Klingt auch nachvollziehbar. Immer mehr Menschen stellen sich unheimlich beliebte Brenn-Holzhütten in den Garten. Ich tingelte also wieder durch den ganzen (!!!) Baumarkt, vom linken zum rechten Ende.  Da wußte der Kollege ausnahmsweise mal gar nicht, wo das Brennholz steht. Offenbar war er neu und hatte die Baumarkt-Logik auch noch nicht durchschaut. Wir einigten uns schließlich auf ein Unentschieden – das Holz ist wohl gerade ausverkauft.

Ab zur Kasse und bezahlen, *kling*, dann weiter zum Baumarkt, der auch die WM im Fernsehen präsentiert. Ich dachte mir, Du lernst ja schnell, ab in die Baustoffabteilung. Aber auch hier kein Brennholz. „Entschuldigung, wo finde ich Holz für ein Lagerfeuer?“ – „Hier bestimmt nicht, das ist im Stadtgarten.“ So nannten die da ihre Gartenabteilung, klingt auch viel fescher. Aber da standen nur: Bonsaibäumchen, Orchideen, riesige Rasenmäher, kleine Kantenschneider. Der Info-Typ war zu langsam!

Folgender Dialog entspann sich:
Ich: „Wo finde ich Brennholz?“
Das Kopfschütteln konnte ich inzwischen gar nicht mehr abstellen.
Info-Typ: „Brennholz?“
Ich: „Ja, Brennholz.“
Info-Typ: „Haben wir nicht.“
Ich: „Wie, haben Sie nicht?“
Info-Typ: „Ist keine Saison.“
Ich: „Es ist keine Saison für Lagerfeuer?“
Info-Typ: „Nein.“
Ich: „Okay!?“
Info-Typ: „Okay!“

Tja, was nun? Jetzt hatte ich einen Feuerkorb, konnte ihn aber nicht anschmeißen. Tolle Nummer. Auf den Winter warten? Der Info-Typ gab mir den Tip, zum Förster zu gehen und mir ein paar Scheite zu kaufen.

Mir jedenfalls hat’s gereicht! Aus purem Protest bin ich nochmal auf das Freigelände des Stadtgartens gegangen und habe aus blankem Wahn nach Apfel- oder Birnenbäumen geguckt. Aber was finde ich? Bambus, Zitrusbäume und Feigen, überall Feigen – wie schon beim Bruder von Moritz. Da hat es bei mir Klick gemacht: Feigen sind die neuen Äpfel!

Schlagartig hörte das irritierte Kopfschütteln auf. Dafür habe ich aber jetzt weit aufgerissene Augen und lache immer manisch vor mich her. Baumärkte sind toll!

London oder Edinburgh? Alicante oder Stockholm? Madrid oder Mailand – egal, Hauptsache Italien… Im August habe ich seit einer halben Ewigkeit mal wieder etwas Urlaub in Aussicht. Der letzte war Anfang März, voll drei Tage. Für ganze sieben Tage bin ich jetzt von der Arbeit befreit, Wochenende mitgerechnet.  Danach geht’s für einen Monat nach Hamburg an die Akademie für Publizistik.

Und jetzt sitze ich hier auf der Terrasse und sehe den vielen Fliegern zu, die den Flughafen Hannover ansteuern. Da kriegt man schon Fernweh… Hunderte von Menschen, die aus wunderschönen Regionen kommen oder gerade dorthin aufbrechen. Ich will auch – zumindest für diese mikrige Augustwoche raus aus dem allgemeinen Trott.

Aber wohin? Alicante? Geht nur Dienstag bis Freitag, ist mir für einen reinen Nichtstun-Urlaub zu kurz. London? Da geht der Rückflug immer nur um 6.30 Uhr morgens, irgendwie nicht so urlaubstauglich. Nur Sonntag geht der Flieger abends. Da muß ich aber schon in Hamburg sein… Was für eine Zwickmühle!

Am Ende kommt es wohl wie immer: Ich bleibe in Lübeck und träume mich an andere Orte, indem ich in eine Cocktailbar gehe 🙂 Oder ich gehe an einen geheimen Ort, an dem mich keiner findet: Bielefeld.

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