Jetzt reicht es: Die aktuellen Spritpreise jenseits der 1,60 Euro für einen Liter Superbenzin haben mich dazu bewegt, schneller als erwartet ein neues Fahrrad zu kaufen. Also habe ich den verkaufsoffenen Sonntag genutzt, um mir bei Zweirad Wöltjen einen Drahtesel zuzulegen. Die Idee geisterte mir seit knapp einem Dreivierteljahr im Kopf herum, aber immer fehlte mir der letzte Impuls. Die erste Tour hat das Rad bereits hinter sich – einmal um die Kanaltrave, danach nach Hause auf Marli. Tolles Gefühl, mal wieder etwas für die Fitness zu tun – angenehmer Nebeneffekt bei der Sache. Um als Musterradler durchzugehen, habe ich sogar meinen alten Fahrradhelm entstaubt. Der lag vorher mehrere Jahre im Schrank und hat zwei Umzüge ungenutzt unbeschadet überstanden.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das neue Rad: voll funktionsfähig und sogar noch sauber.

Das schmucke Trekkingrad mit seinen 24 Gängen ersetzt mein uraltes Mountainbike, das gerade in letzter Zeit nicht gerade mit Zuverlässigkeit geglänzt hat: Kette samt Gangschaltung sind vollkommen verrostet und hakeln, der Lenker wackelt, Rostflecken an diversen Stellen, irgendwo im Rahmen hat die Beleuchtung sogar einen Kabelbruch. Ihr dürft jetzt lachen: Jedes Mal, wenn ich mit eingeschaltetem Dynamo gefahren bin, habe ich beim Bremsen einen gewischt bekommen – offenbar war dann der Stromkreislauf wieder geschlossen. Zuletzt hat dann auch noch mein Heckreifen den Geist aufgegeben und hängt jetzt nur noch als schlaffes Gummi an der Felge. Ich glaube, einzig brauchbar an dem Teil sind nur noch Vorderrad und Scheibenbremsen.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Auto und Mopped runden das Fahrzeugangebot ab.

Künftig werde ich nun also mit dem voll funktionsfähigen Trekkingrad Lübeck unsicher machen – privat sowie an Diensttagen, an denen ich Produktion (Innendienst) habe. Für den Rest (Einkäufe und schreibenden Dienst) habe ich mein treues Auto und – ab kommendem Wochenende endlich wieder – mein über alles geliebtes Motorrad. Gleichzeitig wird es sicherlich noch einige Märsche zu Fuß durch die Hansestadt geben. Zusammen macht das also eine peersche Mobilität von acht Reifen und zwei Füßen. Vier Fortbewegungsarten, vier Möglichkeiten für neue Erfahrungen.

Vielleicht verstehe ich dann bald alle Verkehrsteilnehmer besser:

  • Warum warten 90 Prozent der lübschen Autos immer auf dem rechten Fahrstreifen der zweispurigen Kreisverkehre?
  • Warum ignorieren viele Radler konsequent die Rechts-vor-links-Regeln und beschweren sich, wenn sich Autofahrer beschweren?
  • Warum fahren manche Biker mit röhrendem Motor durch die Innenstadt?
  • Warum laufen Fußgänger ständig an den falschen Stellen durch die Stadt?

Und falls ich keine großen Erkenntnisse auf diese noch viel größeren Fragen erlange, kann ich immer noch aus einer der vier Peerspektiven auf die anderen drei Fortbewegungsmöglichkeiten schimpfen. Ich finde, das ist ein guter Plan.

Es ist die ultimative Verbindung von beidem: Die Schönheit des starren Moments eines Fotos kombiniert mit der Herrlichkeit der Bewegung eines Videos: Cinemagraphs. Auf den ersten Blick wirken sie wie ganz normale Bilder, allerdings ist immer ein kleines Detail versteckt, das sich bewegt. Es können Grashalme sein, Haarsträhnen oder U-Bahnen. Aufmerksam geworden bin ich auf diese Form der Kunst zufällig auf der Facebook-Seite des Arsenal FC. Autosponsor Citroën UK hat eine neue Werbekampagne in Form von fünf Cinemagraphs vorgestellt – mit Robin van Persie, Mikel Arteta und Laurent Koscielny in den Hauptrollen.

Seit meiner ersten Fotokamera – an dieser Stelle möchte ich mein Beileid an Kodak richten – bin ich begeisterter Fotofan. Überall schleppe ich das Teil hin, stundenlang könnte ich mit Freunden und Kollegen über Objektive, Belichtungszeiten, Blenden philosophieren. Seltsamerweise konnte ich mich mit dem Medium Video nie anfreunden. Das bemerkte ich zuerst bei einem Schulpraktikum, später wieder an der Uni beim Potsdamer Studenten-Fernsehen. Ich inszeniere lieber einen konkreten Moment. Es macht mir sogar richtig Spaß, auf einen eingefrorenen Moment angewiesen zu sein. Während der Film-Mensch eine Bewegung oder Handlung einfangen kann, muß ich mir einen Bruchteil davon herausgreifen – der das gleiche in einer ähnlichen Faszination zeigt. Insofern üben die Cinemagraphs einen ganz besonderen Reiz auf mich aus: Jetzt kann ich meinen Aufnahmen mit einem kleinen Hauch Bewegung den letzten Schliff verpassen. Großartig!

Offiziell gelten die beiden US-Fotografen Kevin Burg und Jamie Beck als Erfinder der Cinemagraphs – zumindest haben sie sie populär gemacht. Beide haben 2011 damit begonnen, ihre Mode- und Nachrichtenbilder zu animieren. Inzwischen ist die Methode so beliebt geworden, daß im Internet zahlreiche Beispiele zu finden sind.

Im Grunde ist die Art nicht neu, es sind sogenannte „animated GIF“ – viele dürften sie ebenfalls aus Foren oder Twitter kennen. Neu ist aber, daß die Technik auf hochauflösende Fotos angewendet wird, in Kombination mit der Videokomponente kommt jedes Mal ein tolles Ergebnis raus. Und so geht’s: Zuerst muß natürlich eine Situation her, sogar die banalste Aufnahme kann spannend wirken. In der Regel reicht ein kurzer Clip, die Dauer hängt hauptsächlich von der Bewegung ab, die später zu sehen sein soll. Gefilmt wird am besten mit einem Dreibeinstativ, um Wackler zu minimieren. Sind Personen auf dem Bild, sollten sie sich möglichst nicht bewegen – oder eben nur der entsprechende Körperteil. Im Anschluß geht’s am Computer weiter, mit dem großartigsten Bildbearbeitungsprogramm unter der Sonne: Photoshop. Aber auch andere Software bekommt es hin, zum Beispiel das Pendant von Magix.

Ich muß mir jetzt nur noch eine vernünftige Videokamera kaufen, dann werde ich mich mal an meinen ersten Cinemagraphs probieren. Das Ergebnis wird hier zu sehen sein – was gleichzeitig der einzige Nachteil an dieser Kunstform ist: Außerhalb des Computers bleiben die Motive simple Fotoaufnahmen…

Weitere Links:

Fünf Tage die Woche verbringen die meisten im Büro. Die Hälfte seines Lebens verschläft der Mensch. Beide Aussagen beruhen auf Schätzungen meinerseits. Aber eins ist wissenschaftlich bewiesen: Zwei Jahre seines Lebens verbringt der Mensch auf dem Klo. 730 Tage sitzen wir insgesamt auf dem Topf. Das sagt zumindest die German Toilet Organization (GTO). Ja, so etwas gibt es wirklich! Sie veranstalten sogar internationale Konferenzen in Bonn und verleihen goldene Lokusschüsseln. „Goldener Thron“, wie sie die GTO nennt.

Aufmerksam geworden auf die lustigen Kerlchen bin ich durch eine Pressemitteilung, hochgradig seriös in den frischen Farben blau und weiß gehalten. Am heutigen Sonnabend will sich GTO-Chef Thilo Panzerbieter (nicht ausgedacht!) in Bonn auf den Topf setzen, „um den Politikern aus der ganzen Welt zu zeigen, wie wichtig die Toilette für die Entwicklung der Menschen und unsere Umwelt ist“. Die Keramikabteilung-Organisation hat viel zu sagen. So zum Beispiel, daß mindestens 2,6 Milliarden Menschen auf der Welt ohne Klo leben müssen. Manchmal gehöre ich zu diesen Opfern: Wenn ich mal auswärts muß, ist nirgends ein stilles Örtchen zu finden! Der beste Satz in dem gesamten Brief ist aber: „Die Toilette umweht einfach ein Tabu.“ Wohl ein Miefiges, Nasenklammer bereithalten!

Sorry, ich mache mich jetzt etwas lustig darüber, viele Ziele der GTO sind nicht für den Orkus die Tonne bestimmt. Mit ihrer Goldene-Schüssel-Aktion wollen sie auf den Mißstand in armen Regionen der Welt hinweisen. „Nachhaltige Sanitärversorgung hat ein enormes Potential, um den drohenden Problemen einer wachsenden Weltbevölkerung, allen Menschen ausreichend Wasser, Energie und Nahrungsmitteln bereitzustellen, zu begegnen“, so Stephan Simon von der Welthungerhilfe in der Pressemitteilung. Allein seien funktionierende Klos wichtig, um Krankheiten zu verhindern. Viel imposanter aber: Was hinten rauskommt, das zählt wirklich! (Sorry für das Wortspiel) Täglich kann der gärende Mist einer einzigen Person 22 Liter Biogas erzeugen, heißt es in dem Text weiter. Außerdem können pro Familie 2200 Kilogramm Holz eingespart werden, wenn das Trinkwasser nicht verunreinigt wird – das lästige Abkochen fällt weg. Ein sicheres Geschäft erhält somit Bäume. Wer hätte das gedacht? Villeroy & Boch rettet den Regenwald!

Aber warum schreibe ich überhaupt über das Ganze? Goldener Thron, eine Sitzungszeit von zwei Jahren: Der 19. November ist Welttoilettentag! Was es alles gibt! Wir dürfen also gespannt sein, welche Erkenntnisse uns ein Weltbackofentag oder ein Internationaler Tag der Schuhbürste liefern. Wie, gibt’s noch nicht? Dann her damit! Aber bitte erst gleich, ich muß mal kurz den Welttoilettentag feiern gehen!

Clever! Ich bin förmlich begeistert! So ein schlauer Schachzug muß einem erst einmal einfallen! Die meisten halten mit ihren Ideen zunächst hinter’m Berg, aber, Respekt, sowas zu fordern! Verdammt, daß mir das nicht vorher eingefallen ist! Worum es geht? Natürlich um die 28 neuen Blitzer für Lübeck, die unser Innensenator Bernd Möller (Grüne) fordert. Überall sehe und höre ich zwar schon wieder die Neider, die sagen: „Das ist Abzocke!“, „Der Autofahrer muß wieder als Melkkuh herhalten!“, „Dafür ist Geld da!“. Aber haben sich all die Nörgler schon einmal vor Augen geführt, daß Lübeck dadurch in allen Bereichen Pluspunkte sammeln wird? Das hat Potential!

Der Titel „Blitzer-Hauptstadt“ ist geradezu prädestiniert für offensives Marketing. Wir werden weit über die Stadtgrenzen berühmt werden, nicht nur im negativen Sinne. Mitte August wurde endlich offiziell, daß die Ortsschilder um „Universitätsstadt“ erweitert werden. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich fordere, „Hanse-, Universitäts- und Blitzerstadt Lübeck“ überall an die gelben Hinweistafeln zu pappen. Bei der Gelegenheit kann das Lübeck-Travemünde Marketing gleich mit einsteigen in die globale Lübeck-Vermarktung. In den Werbebroschüren und im Internet wird „Wohlfühlhauptstadt“ einfach um „Blitzerhauptstadt“ ergänzt. Mit dem Slogan fängt man Touris!

Mir schweben bereits verschiedene Ideen vor, für die unterschiedlichsten Zielgruppen.

Beispiel 1: Paßfoto-Suchende, die demnächst Bewerbungsmappen schreiben oder Ausweise erneuern müssen. Künftig können sie an 33 Stationen (inklusive der bereits bestehenden Automaten im St.-Jürgen-Ring) Portraits von sich schießen lassen – für jeweils 15 Euro, inklusive kostenlosem Versand nach Hause. Die Kunden haben sogar die Qual der Wahl: Waren die Aufnahmen in der Moislinger Allee zu dunkel? Kein Problem, an der Brandenbaumer Landstraße sind die Häuser nicht so hoch, das Sonnenlicht fällt besser ins Auto.

Beispiel 2: Menschen ohne Alibi. Demnächst können sie ständig durch Lübecks Straßen fahren und sich überall fotografieren lassen. Dann sehen Polizei und Staatsanwaltschaft ziemlich alt aus, wenn jeder für jede Uhrzeit immer ein Blitzer-Alibi hat. „Wo waren Sie am Montag gegen 12.30 Uhr?“ – „In der Geniner Straße, hier das Foto aus dem Blitzer.“

Beispiel 3: Hotelbewertungen. Die werden ab sofort genauer. Mit den Sternen läßt sich schummeln, auch Kundeneinträge bei Qype sind meist äußerst subjektiv. Aber Lübecks Lärmskala wird das Rating-System im Übernachtungssektor revolutionieren. Immerhin sind die Blitzer genau für diesen Zweck da. „Der vermehrte Einsatz von ortsfesten Geschwindigkeitsmessanlagen ist eine effektive Maßnahme zur Senkung des Lärmpegels“, so Möller gegenüber den Lübecker Nachrichten. Ein Blitzer heißt künftig laut, fünf schön leise. Anders ausgedrückt: Marlistraße pfui, Travemünder Allee hui.

Ich bin mir sicher, die Touristen werden nur so in die Stadt strömen. Die bringen nicht nur Geld ins Stadtsäckel (rund 240 000 Euro pro Fotomast), sondern kurbeln auch die hiesige Wirtschaft an. Das wiederum steigert die Gewerbesteuer und fließt somit ebenfalls in den maroden Haushalt – eine klassische Win-win-Situation.

Aber das Beste daran: Lübeck hat endlich Geld, um die Schlaglochstraßen zu sanieren. Dann können die Autofahrer nämlich auch realistisch ohne Schäden am Wagen so schnell fahren, daß der Blitzer reagiert.

Das hat Potential!

Muß passieren: Trennung von Apple und Religion.

Muß passieren: Trennung von Apple und Religion.

Bis zum 17. Jahrhundert hat die Menschheit daran geglaubt, Gott sei für alles verantwortlich. Die Nationen hatten Staatsreligionen, alle anderen Glaubensrichtungen waren nichtig. Im Abendland hatte vorrangig das Christentum das Sagen. Doch dann kam die Aufklärung, jene wichtige Zeit, in der wir uns der Wissenschaft zuwanden, toleranter und ungläubiger wurden. Die Säkularisierung setzte in Europa ein – die Französische Revolution wollte sogar die gänzliche Abschaffung von Religion. Seitdem kämpfen wir de facto nicht mehr im Zeichen Gottes, machen ihn nicht mehr für alles verantwortlich und diskriminieren nicht mehr andere wegen ihres Glaubens. In der Realität sieht es mit Selbstmordattentätern, Wunderheilungen und Antisemitismus natürlich leider immer noch anders aus.

Mittlerweile sind wir wieder an einem Punkt der Geschichte angelangt, an dem der Welt eine weitere Aufklärung gut tun würde. Dieses Mal gilt es, Millionen Menschen vom übermächtig scheinenden Gott Steve Jobs loszueisen. Zu Zeiten der esten Macs galten Apple-Jünger noch als kreative Individualisten. Doch seit iPod, spätestens aber seit iPhone hat alles eine neue Dimension erreicht. Mac-Freaks kriegen fast Kammerflimmern, wenn Keynotes anstehen. Andere wiederum sind besessen, unausgegorene Beta-Versionen irgendeines Betriebssystems wie iOS 5 zu haben. Und wenn es dann nicht läuft, sind diese Jünger wie verblendet.  Über Fehler müsse man schließlich hinwegsehen können. Komisch aber, daß genau dieses Argument von Windows-Usern immer als Ausrede abgetan wird. Und weil EIN Steve Jobs die Firma Adobe nicht leiden kann, müssen MILLIONEN Kunden auf den Flash-Player verzichten. Empörung? Fehlanzeige! Abwandern zu Wettbewerbern? Von wegen!

Kein Wunder ist somit das Recherche-Ergebnis eines BBC-Reporters nach der exzessiven Eröffnungsparty eines Apple-Tempels Apple-Stores in Covent Garden: Alex Brooks, Herausgeber von „World of Apple“ wurde im Magnetresonanztomographen untersucht, während er Bilder von Produkten gezeigt bekam. Bei Apple-Geräten reagierten Bereiche in seinem Gehirn, die auch bei Gläubigen aktiv werden – wenn sie religiöse Symbole gezeigt bekommen.

Apples Marktanteile schwinden.

Apples Marktanteile schwinden.

Jetzt hat Apple wieder eine Steilvorlage geliefert, das Unternehmen eigentlich sofort pleite gehen lassen zu müssen: das Verkaufsverbot von Galaxy-10.1-Tabs von Samsung innerhalb der EU. Einen Tag später will Apple sogar das Motorola Xoom aus den Regalen verbannen. Der Grund: Alles erinnere zu sehr ans iPad.  Überhaupt nicht gefallen dürften dem Obstladen außerdem die schwindenden Marktanteile von iOS – also von iPhones im Smartphone-Sektor. Im zweiten Quartal rangierte iOS mit knapp 20 Millionen verkauften Smartphones auf Rang drei. Unangefochten an der Spitze steht das Google-Betriebssystem Android (46,8 Millionen verkaufte Geräte).

Jobs sieht offenbar seine Felle davonschwimmen – hat der Konzern neben iPhone und iPad schließlich kein großartiges Massenprodukt am Markt. Wenn die Konkurrenz mit objektiv betrachtet besseren Produkten (günstiger, leistungsstärker, Flash-Unterstützung, vergleichbare Anzahl an Apps) gegen Apple antritt, müssen sie eben weggeklagt werden. Bezeichnend ist, daß sich die Klagen lediglich gegen die beiden größten Konkurrenten richten: Samsung und Motorola. Das Acer Iconia Tab ist für Apple offenbar nicht bedrohlich – keine einstweilige Verfügung. Das Blackberry Playbook wird auch nicht vom Markt weggeklagt.

Das Vorgehen ist aus Sicht des Platzhirsches absolut verständlich. Viel mehr Sorge bereitet mir, daß Apple Erfolge erzielt. Gilt das Prinzip der freien Marktwirtschaft nicht mehr? Übertragen wir den Fall doch einmal auf andere Branchen:

  1. Automobilindustrie: Mercedes verbietet mit sofortiger Wirkung alle anderen Fahrzeugmarken. Immerhin sind das auch alles Blechkörper mit vier Reifen dran. Viel zu ähnlich!
  2. Kleidungsindustrie: Wrangler verbietet mit sofortiger Wirkung alle anderen Hosen. Die anderen Hersteller bedecken damit auch die Beine. Viel zu ähnlich!
  3. Nahrungsindustrie: Die Brotfirma Harry verbietet ab sofort alle anderen Toastbrot-Hersteller. Auch deren Sandwich-Laiber sind kastenförmig, in Scheiben geschnitten und müssen geröstet werden. Viel zu ähnlich!

Und die Apple-Community? Schweigt oder unterstützt die Kalifornier in ihrem Vorgehen. Der Glaube ist stark in ihnen. Ein Freund von mir formulierte es in einem Gespräch passend: Es wäre kein Wunder, wenn Steve Jobs bald mit dem Papst die Plätze tauscht und eine neue Weltreligion ausruft. „Ich habe mehr Anhänger als Du.“ Sicherheitshalber sollte Apple wohl langsam als Sekte eingestuft werden. Der Verfassungsschutz könnte sich das Ganze auch einmal genauer ansehen. Scientology läßt grüßen.

Damit sind wir wieder beim Thema Religion. Ich warte bereits auf den Tag, an dem ein zweiter Martin Luther erscheinen wird. Der öffnet dann ein Kommentarfeld im iTunes-Store und schreibt dort seine 95 Thesen rein. Es hat schon einmal geklappt: am 31. Oktober 1517 an der Schloßkirche von Wittenberg. Damit löste er die Reformation aus – ein wichtiger Schritt zur Aufklärung.

Noch zwei Tage! Sonntag mache ich mich mit meinem Vater auf nach Dänemark. Doch es ist nicht irgendein Urlaub. Es ist ein kleiner Traum, den ich mir erfülle. Wir umrunden Jütland in sieben Tagen mit dem Motorrad. Knapp 950 Kilometer liegen vor uns, Kurven, Geraden, Brücken, Meer. An der Nordsee geht es rauf bis Skagen, von dort aus führt uns die Tour an der Ostsee über Mariager und Fredericia wieder zurück.

Der Weg dorthin war allerdings ein schwieriger. Erst waren wir zu dritt, dann zu viert. Dann sprang der erste von der Reise ab, schließlich auch ein zweiter. Auch zwei sehr gute Freunde, die spontan mit dem Auto mitfahren wollten, sagten in letzter Minute ab. So sank mein Interesse, die Sache überhaupt noch durchzuziehen. Doch am Ende habe ich mir nicht sagen lassen wollen, klein bei gegeben zu haben.

Jetzt steht der Ausflug, das Wetter soll auch mitspielen. Und selbst wenn: Was naß wird, kann auch wieder trocknen. Wir sind schließlich nicht aus Zucker! Wenn ich es schaffe (Internet und so), werde ich Euch auf dem Laufenden halten, mit Bildern nerven und sonstigem. Gepäck an den Bock, auftanken und raus aus Deutschland!

Ach so, wen es interessiert: Das ist die exakte Strecke:

Boah, was für ein Erlebnis: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich tatsächlich an einem Auto rumgeschraubt. Und ich meine damit nicht den simplen Reifenwechsel im Frühjahr oder Herbst – genauso wenig wie das Auswechseln von kaputten Glühbirnen.  Nein, diese Aufgabe war härter! „Mission Scheibenklar“ hatte zum Ziel, meinen kaputten Wischermotor durch einen neuen gut erhaltenen gebrauchten zu ersetzen.

Gesagt, getan!

Zum Glück hatte ich einen erfahrenen Tüftler an meiner Seite…

Wischermotor

Da ist das Ding (das funktionierende)!

Laut diverser Beiträge in einschlägigen Seat-Foren mußte ich nur die Schrauben der Wischerarme lösen – das dauerte bei mir knapp eine halbe Stunde (festgerostet).
Dann nur fix die Plastikabdeckung unterhalb der Scheibe abnehmen – auch das dauerte über eine halbe Stunde, inklusive wiederholter Internet-Recherche, wie das verdammte Teil nun abgeht.
Schließlich den Wischermotor inklusive Gestänge ausbauen, indem man äußerst simpel alles leicht ankippt und nach oben rauszieht – ich mußte drei Schrauben am Motor lösen, das Gestänge verbiegen, die Verkleidung des Motorraums etwas zurechtbiegen, eine weitere Halterung abschrauben. Alles total easy!
Nun einfach Schritt eins bis drei in umgekehrter Reihenfolge durchführen – es gab weitere Probleme, die ich Euch ersparen möchte.

Letztlich saß dann aber alles. Naja, fast: Die Schrauben der Wischerarme passen jetzt nicht mehr auf die neuen Bolzen des Gestänges. Zum Glück soll morgen die Sonne scheinen… Und mein freundlicher Werkstatt-Schrauber wird mich trotzdem sehen. Obwohl ich vorher noch großspurig behauptet habe, garantiert nicht zum Autofachmann zu fahren. Er muß jetzt die Wischer anschrauben – da wußten wir beide nicht weiter.

Aber da stehe ich drüber! Ich bin jetzt ein echter Kerl! Ich habe an einem Auto geschraubt!

1:3 gegen Bayern verloren, Wiese ist mit Rot vom Platz geflogen. Außerdem spielen Frings, Marin und Boro unter ihren Möglichkeiten. Naldo hat schon seit über einem halben Jahr kein grün-weißes Hemd mehr getragen. Und die eingekaufte Verstärkung wirkt sich momentan höchstens positiv auf das zu versteuernde Einkommen des Vereins aus.

Der einzige, der mir in dem ganzen Tohuwabohu Leid tut, ist Thomas Schaaf. Er kann wirklich nichts für den Dreck, den seine Jungs da auf dem Platz zusammenkicken. Im Grunde müsste man das Team komplett austauschen – aber ein zweiter erfolgreicher namentlich prominenter Kader muß erst noch gefunden werden.

Von daher sollten wir uns bereits mit dieser Deutschlandkarte anfreunden. Diese Spielorte erwarten uns ab Sommer in der Spielzeit 2011/2012. Und immer das Gute sehen: Die Tickets werden billiger!

Glykol, BSE, Melamin, Industrieöl, Nitrofen, Methanol, Cäsium, Dioxin, Preßfleisch-Garnelen, Acrylamid, Östrogen, Thrombin, Listeriose-Bakterien, Hühnerkot, Clenbuterol, Nematoden, Lindan, Salmonellen, Nikotin, Antibiotika, Gammelfleisch, Chloramphenicol, Nitrofuran, Analogkäse.

Das war nur von 1980 bis heute. Guten Appetit!

Selten hat mich ein Wochenende so im Griff wie das jetzige. Obwohl gerade erst die Halbzeit überschritten ist, ist es eins der Einprägsamsten in diesem Jahr. So viele Dinge sind geschehen, so viele Dinge sind mir passiert, si viele Dinge haben mich beschäftigt:

Das Motorrad: Widerstrebend habe ich meine BMW wieder in ihr Winterquartier gebracht. Die letzte Tour war erfüllt von Windböen, Nieselregen, Laub und Kälte –  nichts, was man sich vorranging für die Fahrt mit dem Mopped wünscht. Schweren Herzens habe ich Freitag den Schlüssel dem vertrauensvollen Schrauber übergeben. Er wird sich gut um mein Motorrad kümmern, im März spätestens hat es mich wieder. Auch wenn ich heute Morgen sofort bereut habe, mein Zweirad jetzt schon abgegeben zu haben. Eine Woche wäre doch bestimmt noch gegangen! Aber dann sprach die Vernunft zu mir: Lieber jetzt, als sich bei Schnee, Eis und Matsch auf die Fresse zu packen.
Meine Erkenntnis: Manchmal sollte ich doch lieber auf meinen Verstand hören und der nächste Frühling kommt bestimmt – auf irgendwas muß ich mich schließlich freuen.

Das Handy: Freitag kam mein Galaxy endlich aus der Reparatur zurück – zwei Wochen mußte ich darauf verzichten. In der Zwischenzeit war ich für sieben Tage in Dänemark und habe mich mit meinem uralten SonyEricsson K700i („Baujahr“ 2004) rumgeschlagen. Außerdem hatte ich danach noch eine Woche Urlaub. Bis zu diesem Moment war ich der felsenfesten Überzeugung, auf mein Smartphone jederzeit verzichten zu können. Doch kaum rief mein freundlicher Handy-Tüftler an, habe ich mich binnen 30 Minuten auf den Weg gemacht, um mein Samsung abzuholen. Es kribbelte doch wieder in den Fingern. Kaum war der Akku zurück in der Maschine, ging das Daddeln wieder los – Twittern hier, Facebooken da, Foursquaren dort. Die Endorphine sprudelten nur so durch mich durch.
Meine Erkenntnis: Ich bin süchtig nach dem mobilen Internet! Aber es fühlt sich gut an!

Die Dänemark-Woche: Vom 30. Oktober bis 6. November war ich in Vester Husby an der dänischen Nordseeküste, etwas nördlich des Ringkøbing Fjords. Nach Jahren der Jylland-Abstinenz (vergangenen Mai habe ich es immerhin nach Kopenhagen geschafft), war ich endlich wieder auf dem dänischen Festland. Ich kann mir gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal dort gewesen bin. Und es fühlte sich wieder genau so an wie es einst war und immer noch ist: wie Heimat. Ich konnte wieder in die dänische Sprache eintauchen, das Land und die Leute genießen. Es ist eine ganz andere Welt im Vergleich zu der deutschen – ruhiger, entspannter, lebenswerter. Und daß ich nach wenigen Tagen allmählich in meine fast zweite Muttersprache zurückfand, hat mich natürlich zusätzlich strahlen lassen.
Meine Erkenntnis: Egal, was ich mache, Dänemark – und im Speziellen Jylland – wird immer mein Zuhause bleiben. Nirgendwo habe ich mich wohler gefühlt. Jederzeit würde ich wieder zurückziehen. So viele Kindheitserinnerungen haften an dem Land. Vielleicht klappt es ja eines Tages.

Die Freundschaft: Dieses Wochenende wollte ich mich mit einem dicken Kumpel und seiner Freundin treffen. Wieso eigentlich „und seiner Freundin“? Sie ist inzwischen auch meine Freundin – die beiden gehen nur als Kombination durch. Angepeilt war ein gemütlicher Abend mit Quatschen, Tratschen und Dummzeugs machen. Lange Rede, kurzer Sinn: Den zweien kam wider Erwarten etwas dazwischen. Sie haben sich auch bei mir gemeldet und abgesagt. Alles nicht sonderlich besonders. Aber: Beide hatten ein tierisch schlechtes Gewissen, mich versetzt zu haben. Bestimmt vier SMS hat mir mein Kumpel geschickt (von „das mach ich wieder gut“ bis „sei nicht sauer“ war alles dabei). Auch sie hat sich zweimal bei mir entschuldigt. Am Ende hatte ich fast das Gefühl, die beiden hat das härter getroffen als mich.
Meine Erkenntnis: Zwar wußte ich es schon vorher, aber nun bin ich mir definitiv sicher: Die beiden sind wahre Freunde! Und ich bin wirklich froh, sie zu kennen! Das mußte mal gesagt werden! Auch mit so vielen Ausrufezeichen!

Ringkøbing